Der Praktische Tierarzt 10.02.2008

Wirksamkeit von Auriplak Ohrclips (Permethrin) gegen Gnitzen (Culicoides) als Überträger des Bluetongue Virus bei Rindern

In Deutschland wurde das Permethrin in verschiedenen Formulierungen für Großtiere und Kleintiere nach dem AMG als Tierarzneimittel in seiner Wirksamkeit geprüft und in die tierärztliche Praxis als Medikament eingeführt. Die heute für Rinder verfügbare Formulierung sind die AURIPLAK1® Ohrclips für Rinder (1,2 g Permethrin). Diese werden aufgrund der Wirkung als Repellents und als Insektizid gegen stechende sowie lästige Fliegen und Bremsen vorwiegend bei Jungrindern auf der Weide eingesetzt. Nachdem im Jahre 2006 die Bluetongue bei Wiederkäuern in Deutschland erstmalig aufgetreten war, wurde die Infektion in die neu erlassene tierseuchenrechtliche Verordnung zur Bekämpfung der BT aufgenommen. Zur Bekämpfung der Gnitzen boten sich die gegen andere Dipteren bei Rindern zugelassenen Ohrclips an. Für diese war nur eine Umwidmung nach dem AMG gegen einen anderen Parasiten bei der gleichen Tierart notwendig. Die Wirksamkeit musste jedoch noch nachgewiesen werden. Die Untersuchung der Wirksamkeit mit 1 und zwei Auriplak-Ohrclips pro Rind gegen Gnitzen erfolgte während des Höhepunktes der Flugaktivität von Gnitzen im Jahre 2007. In der vorliegenden Arbeit wurden in zwei Herden an 165 Jungrindern und 20 Milchkühen 3319 Imagines von Culicoides gefangen. Unter diesen waren neun Arten bzw. Gruppen am häufigsten, wobei sich die beiden Arten bzw. Gruppen, Culicoides obsoletus und C. pulicaris, als dominant erwiesen. Gnitzen wurden durch Ansaugen mit Hilfe von Aspiratoren direkt aus dem Fell der Rinder und mit UV Licht- und Saugfallen in der Nähe der Tiere lebend oder in Alkohol konserviert gefangen. Es erfolgte die Differenzierung nach Art bzw. Gruppe, Geschlecht und Saugzustand. Lebend gefangene Gnitzen wurden mit von mehreren Körperstellen an behandelten Rindern abgeschorenen Haaren (hairclippings) in Kontakt gebracht und die insektizide Wirksamkeit untersucht (Bioassay). Die Repellentswirkung und die insektizide Wirksamkeit der Permethrin enthaltenden Ohrclips für Rinder betrug bei der Verwendung von zwei Ohrclips/Rind bis zu 19 Tage. Die abtötende Wirkung für stechende Gnitzen auf der Haut betrug an den Rindern mit einem Ohrclip bis zu sieben Tage und bei Verwendung von 2 Ohrclips bis zu 19 Tage. Im Bioassay (mit vom Rücken und Bauch behandelter Rinder abgeschorenen Haaren) wurde die gleiche Zeitdauer der insektiziden Wirksamkeit von sieben bzw. 19 Tagen bestätigt. Der größte Wert der Ohrclips nach der Behandlung von Rindern ist in der Reduzierung der Anzahl anfliegender und stechender Gnitzen zu sehen. Die Repellentswirkung plus die Abtötung von Gnitzen nach Kontakt (insektizide Wirkung) verringern die Anzahl der stechenden Gnitzen.

Dies führt sowohl zu einer Reduzierung des Infektionsrisikos mit dem BT-Virus in dem behandelten Rinderbestand als auch der Ausbreitung des Virus in weiteren Herden in der Region durch infizierte Gnitzen.

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