Journal Club 01.02.2011

Angeborene Augenerkrankungen bei zwei Westernrassen

Ophthalmologie: Die Zuchtverwendung von Kentucky Mountain Saddle Horses und Rocky Mountain Horses ist erst nach einer eingehenden Augenuntersuchung und der Untersuchung auf kongenitale okuläre Anomalien sinnvoll.

Mit dem Kollektivnamen Mountain Horse bezeichnet man drei verschiedene Pferderassen: Das Mountain Pleasure Horse (MPH), das Rocky Mountain Horse (RMH) und das Kentucky Mountain Saddle Horse (KMSH). Ihr Ursprung liegt in Kentucky. Inzwischen erfreuen sie sich jedoch auch in Europa wachsender Beliebtheit. Besonders Tiere der Fellfarbe „chocolate“ mit hellem Schwanz und heller Mähne sind in Europa sehr populär. In einer Untersuchung an Rocky Mountain Horses in den USA konnten vielfach kongenitale okuläre Anomalien festgestellt werden. Dies führte dazu, dass eine Augenuntersuchung für Zuchttiere zur Pflicht wurde. Da die Population von Zuchttieren in Europa sehr klein ist, wird der Augengesundheit hier eine große Aufmerksamkeit zugebilligt. Zwischen 1999 und 2010 wurden in Europa 35 Mountain Horses (KMSH und RMH) auf erbliche Augenerkrankungen untersucht. Die ophthalmologische Untersuchung umfasste eine Spaltlampenuntersuchung sowie eine Untersuchung des Augenhintergrundes mit einer Kondensorlinse nach Pupillenerweiterung durch ein Mydriatikum. Es handelte sich um 23 RMH und 5 KMSH sowie um 7 Kreuzungen. Von den untersuchten Tieren waren 22 weiblich und das Alter lag zwischen zwei Monaten und zehn Jahren. Über die Hälfte der Pferde hatte die Fellfarbe „chocolate“. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass Zysten des Ziliarkörpers die häufigste Anomalie darstellen (17 von 35 Pferden). Bei 11 Tieren trat diese Veränderung bilateral auf. Ein Pferd hatte zusätzlich eine Retinahypoplasie und zwei weitere Pferde wiesen multiple okuläre Anomalien auf, wie Irisdysplasien, miotische und diskorische Pupillen in Verbindung mit einem Exophthalmus oder einem Telecanthus (vergrößerter Abstand der medialen Augenwinkel). Insgesamt wiesen 75% der Pferde mit der Fellfarbe „chocolate“ Anomalien auf. Bei 14 der untersuchten Pferde traten keinerlei Veränderungen auf. Dies waren alles Pferde mit anderen Fellfarben (seal brown, palomino u. a.) Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen konnten bei den Pferden mit multiplen Anomalien keine Zysten des Ziliarkörpers und auch keine Dysplasien diagnostiziert werden. Dies könnte daran liegen, dass diese in Europa nicht vorkommen, oder aber aufgrund der Mydriatikum-resistenten Miosis übersehen wurden. Die Anomalien scheinen in Verbindung mit der Fellfarbe „chocolate“ zu stehen und dem sogenannten „Silver-dapple-Gen“.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die europäischen Mountainhorses die gleichen Augenerkrankungen aufweisen wie ihre amerikanischen Artgenossen. Für Zuchttiere ist eine auch für Europa geltende Pflichtaugenuntersuchung sinnvoll, um homozygote Trägertiere direkt von der Zucht ausschließen zu können.

(Quelle: Kaps S, Spiess BM (2010): Multiple congenital ocular abnormalities (MCOA) in Rocky Mountain Horses and Kentucky Mountain Saddle Horses in Europe. Pferdeheilkunde 26 (4): 536–540.)

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