Journal Club | Pferd 12.03.2017

Den Verlauf beeinflussende Faktoren bei Fohlen mit neonataler Enzephalopathie

Die neonatale Enzephalopathie (NE) ist die am häufigsten bei neugeborenen Fohlen diagnostizierte neurologische Erkrankung. In der vorliegenden Studie sollten mit einem Nicht-Überleben assoziierten Faktoren bei Fohlen mit NE untersucht werden.

Die NE hat viele Synonyme wie z. B. hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, perinatales Asphyxiesyndrom, neonatales Fehlanpassungssyndrom oder Dummy Foal Syndrome. Diese Nomenklatur beschreibt das klinische Erscheinungsbild und die vermutete Ätiologie, welche eine Hypoxie des Gehirns und eine Persistenz der fetalen Hypothalamus-Hypophysen-adrenokortikalen Achse umfasst. Betroffene Tiere zeigen entweder direkt nach der Geburt ein abnormes Verhalten oder entwickeln in den ersten Tagen nach der Geburt klinische Symptome. Eine Diagnose wird typischerweise durch den Ausschluss infektiöser oder kongenitaler Erkrankungen gestellt, die Prognose ist bei unkomplizierten Fällen gut. Trotz vieler anekdotischer Berichte über prognostische Faktoren und effektive Behandlungsansätze bei NE fehlen wissenschaftliche Untersuchungen. Das Ziel der vorliegenden retrospektiven klinischen Querschnitts-Studie war die Untersuchung von Faktoren, bei denen NE-Fohlen mit einem Nicht-Überleben assoziiert waren. Des Weiteren sollten die häufigsten klinischen und pathologischen Veränderungen charakterisiert werden. Aus den zwischen 1996 und 2007 aufgenommenen Fohlen im Alter von ≤ 14 Tagen wurden 94 Fohlen in die Studie aufgenommen, bei denen mittels einer multivariablen logistischen Regressionsanalyse aus klinischen Parametern, Laborwerten und Behandlungsmaßnahmen Negativfaktoren ermittelt wurden. Das mittlere Alter der Fohlen betrug 12 h (0–96 h). Die am häufigsten zu beobachtenden klinischen Symptome waren Nichtauffinden des Euters (59 %), gestörtes Saugverhalten (55 %), Unfähigkeit zu stehen (42 %), gestörte gastrointestinale Motilität (37 %), ein eingeschränktes Bewusstsein (34 %) und Krampfanfälle (22 %). Insgesamt überlebten 79,8 % der Fohlen bis zur Entlassung, die Übrigen verstarben oder wurden eingeschläfert. Signifikant mit einem Nicht-Überleben assoziierte Faktoren im multivariablen Modell waren die Kalziumkonzentration im Serum, die Serumaktivität der alkalischen Phosphatase, Festliegen, das Auftreten weiterer Erkrankungen und die Verwendung von Vasopressoren/inotropen Medikamenten. Die Überlebensrate war gut und vergleichbar mit vorausgegangenen Berichten. Vasopressoren/inotrope Wirkstoffe waren die einzigen mit einem Nicht-Überleben assoziierten therapeutischen Interventionen, was vermuten lässt, dass eine persistierende Hypotension mit einem Nicht-Überleben assoziiert ist. Fohlen mit weiteren Erkrankungen, einem hohen totalen Kalziumwert im Serum und einer geringen AP bei Aufnahme, solche, die festlagen bzw. eine Therapie mit genannten Arzneien benötigten, überlebten signifikant weniger wahrscheinlich. (brf)

___________
Lyle-Dugas J, Giguere S, Mallicote MF, Mackay RJ, Sanchez LC (2017): Factors associated with outcome in 94 hospitalised foals diagnosed with neonatal encephalopathy. Equine Vet J 49: 207–210.