Open Access 23.01.2017

Detection of tularemia in European brown hares (Lepus europaeus) and humans reveals endemic and seasonal occurrence in Baden-Wuerttemberg, Germany

Nachweis von Tularämie in Feldhasen (Lepus europaeus) und in Menschen belegen das endemische und saisonale Vorkommen in Baden-Württemberg, Deutschland

Summary
Tularemia is a highly contagious infectious disease which has re-emerged in Germany with varying spatial and temporal distribution. European brown hares ( Lepus europaeus) and wild rabbits ( Oryctolagus cuniculus) typically serve as hosts for the zoonotic pathogen Francisella tularensis subsp. holarctica, but many animals including insects and ticks can represent relevant vectors for tularemia. Since the beginning of 2016, cases of tularemia have seemed to accumulate within the brown hare population in Baden-Wuerttemberg (BW). Simultaneously, the number of human infections has also risen compared to previous years. Natural emergence or re-emergence of tularemia can appear in susceptible populations at any time. Knowledge about the actual occurrence and spreading of tularemia is essential to inform health professionals and risk groups, such as hunters, forest workers and farmers in endemic areas. Therefore, we assessed the spatial and temporal distribution of tularemia in brown hares and wild rabbits in BW, retrospectively based on results obtained from cultural and molecular investigations during routine diagnosis, including 179 brown hares (55 positive animals) and ten wild rabbits (0 positive animals), which were randomly found moribund or dead between January 2010 and June 2016. In addition we assessed surveillance data from notified human cases during the same time period. Our data suggest that tularemia is endemic in BW due to an annual and widespread occurrence. Furthermore, tularemia occurs with seasonal peaks in spring and autumn, in particular in October. There are counties where tularemia was observed in both humans and brown hares; however, there are regions with no coincidence of cases in humans and brown hares, suggesting that other reservoirs such as insects or ticks may play a relevant role as vectors. The results of the present study suggest that tularemia is an endemic zoonosis in BW which poses a permanent infection risk to humans.

Keywords: Francisella tularensis subsp. holarctica, zoonosis, European brown hare, epidemiology

Zusammenfassung
Die Tularämie ist eine hochkontagiöse Infektionskrankheit, die in Deutschland seit einigen Jahren wieder verstärkt mit unterschiedlicher regionaler und zeitlicher Verbreitung auftritt. Klassische Wirte für den Zoonoseerreger Francisella tularensis subsp. holartica sind der Europäische Feldhase ( Lepus europaeus) und das Wildkaninchen ( Oryctolagus cuniculus), aber auch viele andere Tiere einschließlich Insekten und Zecken können relevante Vektoren sein. Seit Beginn 2016 scheint eine steigende Fallzahl an Tularämie verendeter Feldhasen in Baden-Württemberg (BW) aufzutreten. Gleichzeitig stieg auch die Anzahl humaner Infektionen in BW im Vergleich zu den Vorjahren an. Das natürliche und erneute Auftreten von Tularämiefällen in empfänglichen Populationen ist demnach jederzeit möglich. Kenntnisse über das aktuelle Vorkommen und die Verbreitung der Tularämie sind wichtig, um Gesundheitsämter und Risikogruppen wie Jäger, Waldarbeiter und Landwirte in Endemiegebieten informieren zu können. Um die regionale und saisonale Verbreitung der Tularämie bei Feldhasen und Wildkaninchen einschätzen zu können, werteten wir in einer retrospektiven Studie die bakteriologischen und molekularbiologischen Untersuchungsergebnisse von 179 Feldhasen (55 positive Tiere) und zehn Wildkaninchen (0 positive Tiere) aus, die zufällig moribund oder tot in BW im Zeitraum von Januar 2010 bis einschließlich Juni 2016 gefunden wurden. Zudem werteten wir die humanen Meldedaten in diesem Untersuchungszeitraum aus. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Tularämie in BW aufgrund des jährlichen und weitverbreiteten Vorkommens endemisch ist. Außerdem tritt die Tularämie mit saisonaler Häufung im Frühjahr und im Herbst auf, insbesondere im Oktober. Es gibt Regionen, in denen Tularämiefälle sowohl bei Menschen als auch bei Tieren auftreten, wobei dieser Zusammenhang nicht zwingend ist. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass auch andere Vektoren, wie Insekten und Zecken, relevant sein können. Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass die Tularämie in BW eine endemische Zoonose mit Infektionsgefahr für den Menschen ist.

Schlüsselwörter: Francisella tularensis subsp. holarctica, Zoonose, Feldhase, Epidemiologie

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