Journal Club 01.12.2010

Evaluierung eines kommerziellen Tollwut-ELISA als Ersatz für Serumneutralisationstests im Rahmen des Pet Travel Schemes und der oralen Immunisierung von Füchsen

Tollwut–Diagnostik: Die geringe Sensivität des Tollwut-ELISA spricht gegen den Einsatz im Rahmen des Pet Travel Schemes und für das Monitoring von oralen Tollwutimmunisierungskampagnen.

Tollwut ist nach wie vor eine der gefürchtetsten Zoonosen, doch sind bei der Einreise von Tieren in bestimmte Länder wie z. B. England oder von Drittländern in die EU strenge Quarantänemaßnahmen längst zugunsten von Haustier- Reiseverkehrsregelungen (sog. Pet Travel Scheme) abgelöst worden. Diese beinhalten vor Einreise die Identifikation (Mikrochip), die Vakzination und den serologischen Test. Dieser Test soll in einem Zeitraum von 30 Tagen nach Vakzination und drei Monate vor Einreise in die EU erfolgen.

Zur erfolgreichen Einreise muss ein Antikörpertiter von mindestens 0,5 Internationalen Einheiten pro ml (IU/ml) nachgewiesen werden. Im Rahmen der EU wurden in Prüflaboratorien bisher zwei Testverfahren für die Tollwutserologie eingesetzt: der Fluorescent Antibody Virus Neutralization Test (FAVN) und der Rapid Fluorescent Focus Inhibition Test (RFFIT). Im Vergleich zu beiden Neutralisationstests sind Enzyme linked immunosorbant assays (ELISA) leichter in der Handhabung, kostengünstiger und benötigen nicht Einrichtungen mit einem erhöhten Biosicherheitslevel. Ziel dieser Studie war die Evaluierung eines von der OIE gelisteten ELISA Testes (Platelia TM Rabies II Kit, Bio-Rad), um letztendlich die Neutralisationstests ersetzen zu können. Dabei wurden nicht nur Hunde- und Katzenseren getestet, es erfolgte auch eine Überprüfung des Serum-Status nach oraler Tollwutimmunisierung bei Füchsen. Die Ergebnisse zeigen in Abhängigkeit der jeweiligen Berechnungsmethode bei der ELISA-Methode gegenüber den Neutralisationstests eine Sensivität von 36,9 % bis 82,0 % für Hundeserum und für Katzenserum eine Sensivität von 44,4 % bis 88,9 %. Bei den oral immunisierten Füchsen wurden mit der ELISA-Methode 15,3 % der Tiere als positiv befundet versus 47,1 % Tollwut-positiven Tieren mit RFFIT (Sensivität des ELISA gegenüber RFFIT: 32,4 %). Gründe für diese von den Neutralisationstests abweichenden Testergebnisse können mathematischer Natur sein (z. B. fehlende Standardkalkulation der EU/ml (Equivalents units), durch die Werte für optische Dichte sowie labortechnisch begründet sein (neutralisierende Antikörper versus bindende Antikörper, schlechte Serum-Qualität bei Feldstudie der Füchse). Aufgrund dieser Ergebnisse ist es fraglich, warum die OIE diesen ELISA-Test im Jahre 2007 validierte. Wegen der vorliegenden Auswertungen der wissenschaftlichen Untersuchungen kann ein Ersatz der oben genannten Neutralisationstests beim Pet Travel Scheme und beim Monitoring oraler Tollwutimmunisierungskampagnen durch den ELISA nicht empfohlen werden.

(Quelle: Knoop EV, Freuling CM, Kliemt J, Selhorst T, Conraths FJ, Müller T (2010): Evaluation of a commercial rabies ELISA as a replacement for serum neutralization assays as part of the pet travel scheme and oral vaccination campaigns of foxes. Berl Münch Tierärztl Wochenschr 123: 278–285.)

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