Journal Club | Nutztier 26.02.2017

Gestärktes Immunsystem durch Eisblöcke?

Um die Herdenimmunität von Sauen gegen stallspezifische Erreger zu stärken, werden sie gezielt mit Pathogenen in Kontakt gebracht. Für Gruppenhaltungen mit Futterautomaten wurden nun Eisblöcke als Kontaktmaterial getestet.

Derzeit werden viele gesunde Jungsauen in Einzelhaltungen zur Akklimatisierung kontrolliert mit Pathogenen aus dem Sauenstall in Kontakt gebracht, bevor sie in die Sauenherde integriert werden. Dadurch lässt sich unter anderem die Konzentration von kolostralen Antikörpern gegen Rotaviren oder Clostridium perfringens steigern. Da in Zukunft die Anzahl der Gruppenhaltungen für tragende Sauen zunehmen wird, suchen Schweinehalter nach Alternativen zur Verfütterung des genutzten „Feedback“-Materials. Das Verabreichen von pathogenem Material an Sauen ist in Gruppenhaltungen mit elektronischen Fütterungssystemen schwierig, denn nicht alle Tiere erhalten ihr Futter zeitgleich und durch die freie Bewegung ist es schwer zu überprüfen, ob alle Sauen mit dem Material in Kontakt kommen. Da Eisblöcke bereits in Studien als Beschäftigungsmaterial für Schweine getestet wurden, entstand die Idee, diese als Vehikel für den kontrollierten Kontakt mit pathogenem Material zu nutzen. Dafür wurde zunächst die Interaktion von Sauen in Freilaufställen mit pathogenfreien Eisblöcken getestet. Die 130 tragenden Sauen waren in einer großen, dynamischen Gruppenhaltung aufgestallt und wurden durch zwei automatische Fütterungssysteme gefüttert. Ein bis drei Tage nach der Besamung wurden sie in die Gruppe integriert und einen bis sieben Tage vor dem Ferkeln in den Abferkelstall gebracht. Die 35,6 x 39,4 cm großen Eisblöcke wurden in Plastiktüten mit einem Volumen von 9,5 Liter in der Gefriertruhe hergestellt. Durch Verwendung von stillem Wasser und die Zugabe von gehäckseltem Stroh waren sie für mindestens 80 Minuten stabil, sodass die Interaktion der Sauen mit den Blöcken über einen Zeitraum von einer Stunde mit einer tragbaren Videokamera gefilmt werden konnte und so die Dauer und die Art des Kontaktes des Einzeltieres mit dem Eisblock dokumentiert wurde. Einmal pro Woche wurden entweder zwei oder vier Eisblöcke in den Stall gebracht. In der Studie interagierten über 50 Prozent der Sauen innerhalb von einer Stunde mit dem Eisblock. Über 90 Prozent der Sauen dieser Gruppenhaltung hatten Kontakt mit den Eisblöcken, wenn sie zweimal im Abstand von einer Woche in den Stall gebracht wurden. Bei Verwendung von vier statt zwei Eisblöcken stiegen die Anzahl der Sauen, die das Eis berührten, sowie die Dauer des Kontaktes an und die Aggression im Umfeld der Eisblöcke war geringer. Es gab keinen Zusammenhang zwischen Rangordnung und Kontakt mit dem Eisblock. Weitere Studien zur Effektivität der Pathogenexposition durch Eisblöcke sind nötig.

Zaspel C

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Pierdon MK, John AM, Parsons TD (2016): An investigation of sow interaction with ice blocks on a farm with group-housed sows fed by electronic sow feeders. J Swine Health Prod 24(6): 309–314.