Der Praktische Tierarzt 02.01.2012

Vorkommen und Erblichkeit von Keilwirbeln bei Hunden

Zusammenfassung
Keilwirbel (Hemivertebra) entstehen infolge einer erblichen Entwicklungsstörung der Ossifikation. Diese Anomalie der Wirbelsäule ist beim Hund angeboren. Keilwirbel kommen bei brachycephalen, chondrodystrophen Rassen, vor allem bei solchen mit korkenzieherartigen Schwänzen im Bereich des fünften bis neunten Thorakalwirbels vor. Diese sind Französische und Englische Bulldoggen, Mopse oder Boston Terrier. Keilwirbel können zu einer Kompression des Rückenmarks führen und damit die Ursache von neurologischen Ausfallserscheinungen sein, was jedoch selten der Fall ist. Diese Symptome treten meist im Alter von drei bis vier Monaten auf. Es kann zu Ataxie, Parese sowie Para- und Tetraparese, verminderten Reflexen sowie Muskelatrophie und Schwäche der Hintergliedmaßen, Kyphose, Lordose und Skoliose, Inkontinenz und zwangsweises Liegen durch erhöhte Immobilität der Brustwirbelsäule kommen. Eine Diagnose erfolgt über dorsoventrale und laterolaterale Röntgenaufnahmen zur Darstellung der Anzahl der missgebildeten Wirbel. Das Ausmaß der Verschiebung einzelner Wirbel nach dorsal und der Rückenmarkskompression lässt sich in einem lateralen Myelogramm oder einer Magnetresonanz- und Computertomografie beurteilen. Differenzialdiagnostisch kommen traumatische oder pathologische Frakturen infrage. Die Therapie besteht in chirurgischen Dekompression in Form einer dorsalen Laminektomie oder Hemilaminektomie sowie einer vertebralen Stabilisation. Hierdurch wird der durch die Verschiebung der Wirbel nach dorsal entstehende Druck verringert. In Fällen, in denen lediglich geringgradige klinische Symptome vorhanden sind, können diese in einem Alter von etwa neun Monaten, nach Beendigung des Wachstums der Rückenwirbel, verschwinden. Bei jungen Hunden mit geringgradiger Symptomatik ist daher eine konservative Therapie anzuraten, die Käfigruhe und Schmerztherapie beinhaltet.

Schlüsselwörter:
Hemivertebrae, Keilwirbel, erbliche Erkrankung, Hund


Summary
Appearance and heredity of hemivertebra in dogs
Wedge shaped vertebras, also known as hemivertebra, are caused by a hereditary, disturbed ossification. Hemivertebra are common in brachycephalic chondrodystrophic breeds with a screw tail like French and English Bulldogs, Pugs or Boston Terriers occuring from the fifth to ninth thoracic vertebra. Hemivertebra can cause angulations of the vertebral column with displacement of vertebra, compression of the spinal cord and neurologic deficits. Typical signs arise usually at the age of three or four months. The symptoms are pelvic limb ataxia and paresis, loss of reflexes, kyphoses, lordosis and skoliosis, incontinence and atrophx and atony of the pelvic limbs. Radiography provides diagnosis of the condition and also reveals the number of involved vertebrae. The extent of dorsal angulation of the spine and spinal cord compression can be seen in lateral myelograms, magnetic and computed resonance. Differential diagnoses are traumatic and pathologic fractures. Therapeutic approach is a decompressive surgery consisting of dorsal laminectomy or hemilaminectomy and vertebral stabilization to reduce spinal cord compression. If neurologic deficits are mild and stabilize at as growth of the vertebra stops, conservative treatment is appropriate. This includes cage rest and analgesia.

Keywords:
hemivertebrae, hereditary condition, dog

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