Open Access 17.03.2017

Lange Arbeitszeiten, geringes Einkommen und Unzufriedenheit: Gegenüberstellung der Situation praktizierender Tiermediziner mit vergleichbaren Berufsgruppen der deutschen Bevölkerung

Long working hours, low income and dissatisfaction: Comparison of veterinary practitioners’ situation and similar professions of the German general population

Zusammenfassung
Diverse Quellen berichten von langen Arbeitszeiten und geringem Einkommen bei deutschen praktizierenden Tiermedizinern (Männer und Frauen), auch ein erhöhtes Stressniveau wird beschrieben. Motiviert von dieser Situation war das Ziel unserer Untersuchung, die aktuellen Arbeitsbedingungen und die damit verbundene Zufriedenheit praktizierender Tiermediziner in Deutschland zu erfassen. Grundlage dafür war ein Fragebogen, der berufsübergreifende Vergleiche mit gleichqualifizierten Akademikern der deutschen Bevölkerung zulässt und Veränderungen zu den Resultaten einer früheren Studie aufzeigt. Die neue Untersuchung ist bedeutsam, da die Tierärzteschaft sich wandelt: Einerseits tritt die Generation Y (geboren nach 1980) mit verändertem Werteverständnis auf den veterinärmedizinischen Arbeitsmarkt, andererseits steigt der Frauenanteil beschäftigter Tiermediziner. In unserer Studie werden Antworten von 1930 praktizierenden Tiermedizinern (9 % der Zielpopulation) aus dem Frühjahr 2016 ausgewertet. Die Wochenarbeitszeit vollzeittätiger Tiermediziner war hoch (Median 50h), insbesondere Pferdepraktiker hatten lange Arbeitszeiten. Väter arbeiteten fast 19h in der Woche länger als Mütter. Fast 50 % der angestellten Tiermediziner arbeiteten länger als gesetzlich erlaubt. Vollzeittätige, niedergelassene Tiermediziner verdienten signifikant mehr (Stundenlohn Männer 26 €, Frauen 19 €) als angestellte Tiermediziner (Bruttostundenlohn Männer 14 €, Frauen 13 €). Seit 2006 hat sich das Gehalt der angestellten Tiermediziner etwas verbessert, sie verdienten aber signifikant weniger als gleichqualifizierte Akademiker. Insbesondere bei in Kliniken tätigen Berufsanfängern kamen Mindestlohnunterschreitungen vor. Teilnehmer mit langen Arbeitszeiten und geringem Einkommen waren unzufriedener mit ihrer Arbeit. Im Vergleich zu gleichqualifizierten Akademikern der deutschen Bevölkerung waren angestellte Tiermediziner und Tierärztinnen unzufriedener mit den meisten Teilbereichen ihres Lebens. Die Ergebnisse rufen dazu auf, die Arbeitsbedingungen und Zufriedenheit praktizierender Tiermediziner in Deutschland zu hinterfragen und zu diskutieren.

Schlüsselwörter: Arbeitszufriedenheit, Arbeitsbedingungen, Generation Y, Arbeitssituation, Veterinärmedizin

Summary
Previous reports indicate that German veterinarians work longer hours, earn lower incomes and suffer from higher stress levels than comparable professions. Motivated by this situation our objectives were to describe the current working conditions and the associated satisfaction among German veterinary practitioners. The study is based on a questionnaire that allows comparisons of the results with similar occupations and a previous study. This is relevant since the veterinarian workforce has substantially changed: on the one hand, Generation Y (born after 1980) is entering the job market with different work-life balance objectives. On the other hand, the female proportion of veterinarians is increasing. Our questionnaire was distributed in spring 2016, and data from 1930 respondents could be analysed (9% of the target population). Full time practitioners worked long hours (median 50h per week), with equine practitioners having particularly long working hours. Fathers worked almost 19h per week longer than mothers. Almost 50% of the employees worked more hours than the legally defined maximum. Full time self-employed practitioners earned significantly more (pre-tax earnings in men 26 €/h, in women 19 €/h) than employees (men 14 €/h, women 13 €/h). Salaries of employees showed a slight increase since 2006. However, especially among recent graduates and particularly in clinics, incomes below the legally defined minimum wages were reported. Respondents with long working hours and small income were less satisfied with their work. Employees and female veterinarians were less satisfied with most aspects of their life when compared to comparable occupations in the general population. The results call for further discussions about working conditions and the associated satisfaction of all German veterinary practitioners.

Keywords: job satisfaction, working conditions, Generation Y, labour situation, veterinary medicine

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