Ferkelkastration | Betäubung 09.06.2017

Lokalanästhesie: eine gefährliche Alternative

Die Bundestierärztekammer kritisiert die von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt propagierte Alternative zur betäubunglosen Ferkelkastration. Die Lokalanästhesie gehöre nicht in Laienhand.

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Ab dem 1. Januar 2019 wird es in Deutschland verboten sein, Ferkel, die jünger als acht Tage alt sind, ohne Betäubung zu kastrieren. Nach vielen Diskussionen haben sich als gangbare Alternativen die Ebermast, die Immunokastration oder "Eberimpfung" (Improvac) zur Verminderung des Ebergeruchs sowie die Kastration unter Allgemeinanästhesie herauskristallisiert. Der Bundeslandwirtschaftsminister sieht allerdings noch eine weitere Möglichkeit: die Lokalanästhesie. Mit diesem Vorschlag stellt sich Schmidt hinter die von Erzeugern, Schlachtunternehmen und Organisationen der Schweinebranche erhobene Forderung, dem Tierhalter selber die Verabreichung eines Narkosemittels zur örtlichen Schmerzausschaltung zu erlauben. Kleine und mittlere Betriebe würden ohne kostengünstige Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration auf der Strecke bleiben.

Kritik gibt es dafür von der Bundestierärztekammer: "Jede Anästhesie, das gilt auch für die lokale Betäubung, ist eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit!", so Präsident Dr. Uwe Tiedemann. "Das fehlerhafte Verabreichen eines Lokalanästhetikums kann verheerende Folgen bis hin zum Tod des Tieres haben. Aus diesem Grunde lehnen wir dies ausdrücklich ab."

Laut Tiedemann gibt es bei der Lokalanästhesie der Ferkel deutliche Nachteile. Die Fixation sowie mehrfache Injektionen belaste die Tiere und auch die Schmerzausschaltung sei nicht garantiert. Dies gelte besonders für den einzigen für das Schwein zugelassenen Wirkstoff Procain. Hinzu komme, dass Injektionen in Richtung der Samenstränge oft nicht präzise platziert werden könnten und die Injektion in den Hoden für die Tiere sehr schmerzhaft sei. (lp)