Studie | Hamster 13.03.2017

Mais tötet Mutterinstinkt

Die einseitige Ernährung des Feldhamsters führt zu Tryptophan- und Vitamin-B3-Mangel. Die Tiere töten ihre Jungen.

Was hat der Feldhamster ( Cricetus cricetus) mit schwerkranken Menschen aus den Jahren 1735 bis 1940 gemeinsam? Genau eines: die einseitige, nicotinsäurearme Ernährung durch einen hohen Verzehr von unbehandeltem oder ungeröstetem Mais. Die Folge ist eine Erkrankung, die sich Pellagra nennt und durch einen Mangel an Vitamin B3 gekennzeichnet ist. Was beim Menschen zur Geschichte gehört, ist aber beim Hamster brandaktuell: Die Tiere finden kaum noch genug zu fressen und die verbreiteten Monokulturen machen den Speiseplan eintönig. Französische Forscher haben nun untersucht, wie sich Futtermangel und einseitige Ernährung auf das Verhalten von Nagern auswirken. In ihren Untersuchungen fütterten Mathilde Tissier und Kollegen von der Universität Strasbourg Hams­terweibchen vom Ende des Winterschlafs an bis zur Geburt ihrer Jungen mit unterschiedlichen Futtervarianten: Die Tiere bekamen Weizen oder Mais ad libitum plus fünf Gramm Regenwürmer oder Klee pro Tag.

Erstaunlich: Die mit Mais gefütterten Weibchen vernachlässigten ihren Nachwuchs oder fraßen diesen sogar auf. So überlebten in der Mais-Gruppe weniger als zwölf Prozent der Jungen, wohingegen es bei den mit Weizen gefütterten Nagern mehr als 80 Prozent waren. Da die Forscher als Ursache einen Vitamin-B3-Mangel vermuteten, fütterten sie in einem zweiten Versuch in der Mais-Gruppe noch Niacinpulver zu. Und tatsächlich: Das kannibalistische Verhalten der Tiere verschwand. Damit zeigt die Studie ganz klar, dass Mais für Hamster in der Reproduktionszeit kein geeignetes Futter darstellt. Dies würde wiederum erklären, warum die Populationsgrößen mit Zunahme der Monokulturen in den letzten Jahrzehnten so stark eingebrochen sind. ( lp)