Gentest | Neurologie 22.02.2017

Neuentdeckung: Das Epilepsie-Gen beim Ridgeback

Das betroffene Gen spielt offenbar eine wichtige Rolle bei der Modulation des Neurotransmitters Acetylcholin. Sein Defekt kann die generalisierte myoklonische Epilepsie beim Rhodesian Ridgeback verursachen.

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Foto: monica − Fotolia.com

Epilepsie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung bei Hunden – mit einem – angesichts forcierter Züchtungen – hohen genetischen Anteil an der Entstehung. Da viele Hunderassen auf eine geringe Zahl von „Gründer“-Individuen zurückgehen bildet sich eine eigene Population mit einem sehr homogenen Phänotyp und stark eingeschränkter genetischer Diversität.

Der Wissenschaft sind bereits eine Reihe von Epilepsie-Genen bekannt. Der von einer internationalen Wissenschaftsgruppe neu entdeckte Gendefekt des Ridgebacks wird autosomal-rezessiv vererbt. Bei der Zucht der südafrikanischen Rasse sollte demnach darauf geachtet werden, dass nicht zwei Trägertiere miteinander verpaart werden, da sonst ist ein Teil des Wurfes mit der Krankheit belastet ist. Zu diesem Zwecke haben die Forscher sogar bereits einen Gentest entwickelt, mit dem die Hunde vor der Zucht untersucht werden können. Laut Studienleiterin Andrea Fischer, Neurologin an der Medizinischen Kleintierklinik der LMU, können der Test und ein neuartiges Video-EEG, das speziell für die Anwendung am Hund modifiziert wurde, außerdem dabei helfen, an Epilepsie erkrankte Rhodesian Ridgebacks möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Die Entdeckung könnte auf für die Humanmedizin interessant sein: Das Gen, in dem beim Hund der Defekt auftreten kann, hat eine Entsprechung im menschlichen Erbgut. Diese könnte ein Kandidat für ein Epilepsie-Gen beim Menschen sein. Auch in der Symptomatik lasse sich die beschriebene Epilepsie-Variante durchaus mit der Juvenilen myoklonischen Epilepsie (JME), einer der häufigsten Formen beim Menschen, vergleichen. Die Zuckungen sind bei beiden Formen beidseitig, arhythmisch und manchmal asymmetrisch und betreffen die oberen Gliedmaßen und den Rumpf. Die Muster im EEG verlaufen ähnlich. Und beide Formen sind mit einer starken Lichtempfindlichkeit verbunden, wie Untersuchungen von erkrankten Rhodesian Ridgebacks durch Neuropädiater am Epilepsiezentrum Vogtareuth zeigten.

Die Studie können Sie hier lesen. Mehr zur Entstehung, Diagnose und Therapie der caninen Epilepsie finden Sie in unserem kostenlosen Sonderheft „Den Krampf besiegen". ( lp)