Herbivoren | Diätetik 11.04.2017

Diätetische Diarrhoe bei Kaninchen

Kaninchen werden häufig zu kohlenhydratreich gefüttert und leiden unter Dysbiosen. Wie kann die Darmflora dauerhaft saniert und stabilisiert werden?

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Kaninchen sollten überwiegend Heu und frisches Grünfutter fressen. In vielen Fällen finden sich stattdessen große Mengen kohlenhydrat- und zuckerreicher Fertigfuttermittel sowie Obst in den Näpfen der Langohren. Durch die vielen Kohlenhydrate vermehren sich die kohlenhydratverwertenden Bakterien ( z. B. Clostridien, E. coli) sowie Hefen, während die gram-positive zelluloseverwertende Darmflora zurückgeht. Häufig leiden die Tiere dann unter Dysbiosen, Gas- und Toxinbildung, Entzündungen, Typhlocolitis sowie Enterotoxämie. Bei der Untersuchung des Kots werden dabei überwiegend Saccharomyces vorgefunden, deren medikamentöse Behandlung aber nur eine vorübergehende Besserung der Symptomatik bringt. Für eine dauerhafte Stabilisierung der Darmflora müssen das Futter umgestellt- und die Besitzer zum Umdenken gebracht werden. Tierärzte nehmen dabei eine wichtige Beraterfunktion ein.

Bis sich die Kotkonsistenz normalisiert (10-14 Tage) solltenfolgendermaßen vorgegangen werden:
1. konstant Füttern: Wasser und Heu ad libitum; zwei bis drei Frischfutterarten (feste Salate und Gemüse), die das Tier gewohnt ist 2−3x/tgl. Kein Obst, kein Wurzelgemüse, kein Fertigfutter. Bei Gewichtsverlust Fertigbrei (z. B. Critical Care©) zufüttern. Dabei gilt: Gramm Gewichtsverlust = ml-Menge Brei
2. Antibiose reduziert die Clostridien und gram-negative Darmflora: z.B. Enrofloxacin 10 mg/kg 1 tgl. p.o.
3. Probiotika: können zugefüttert werden.Antimykotika (inbesondere Saccharomyces reduzierende Probiotika) sind in der Regel nicht erforderlich, da sich der Hefegehalt durch die Reduktion von Zucker allein regelt.

Ist die Kotkonsistenz wieder fest, können andere Futterarten (einzelne Blätter, Kräuter, Stücke) eingeschlichen werden. Grundsätzlich sollten die Rationen aus Heu ad. libitum und rohfasserreichem Blattgrün z. B. feste Salate (70 %) sowie Gemüse (20%) bestehen. Wurzelgemüse wie Karotten und Sellerie sollte nur bei normalem Körpergewicht und normaler Kotkonsistenz gefüttert werden und nicht mehr als ein Viertel der Ration ausmachen. 1 EL Kaftfutter pro kg Körpergewicht pro Tag ist in Ordnung, dieses kann zum Beispiel als besonderer Leckerbissen aus der Hand gefüttert werden.

Die Empfehlungen stammen aus dem handlichen Praxisratgeber von Jutta Hein "Durchfallerkrankungen bei Kleinsäugern". ( lp)