Kardiologie | Therapie 24.02.2017

Pimobendaneinsatz VOR dem kongestiven Herzversagen
− eine Chance in der Therapie?

Hunde mit myxomatöser Mitralklappenerkrankung durchlaufen häufig eine lange präklinische Phase. Eine EPIC-Studie hat untersucht, ob Pimobendan das CHF hinauszögern und damit die Überlebenszeit der Tiere verlängern kann.

 - 
Foto: Viktoria Makarova - Fotolia.com

Die myxomatöse Mitralklappenerkrankung (MMVD) ist die häufigste kardiovaskuläre Erkrankung bei Hunden. Je nach Progressionsgrad werden erkrankte Hunde vier Kategorien zugeordnet:

  • Stadium A: Tiere mit einem Erkrankungsrisiko
  • Stadium B: Hunde mit einer nachgewiesenen Mitralreurgitation aber keinerlei Anzeichen eines CHF (B1: keine nachweisliche Herzvergrößerung, B2: bestehende Herzvergrößerung)
  • Stadium C: Hunde mit Anzeichen eines CHF
  • Stadium D: therapierefraktäre Hunde mit Anzeichen eines CHF

Die mediane Überlebenszeit von Hunden mit einer Erkrankung im Stadium C beträgt trotz wirksamen Therapieoptionen weniger als ein Jahr. Derzeit besteht keine Einigkeit über die Wirksamkeit der medizinischen Behandlung im Stadium B. Eine Hypothese ist, dass die zwei Mal tägliche Pimobendan-Gabe (als einziges Herzmedikament) in einer Dosis von 0,4-0,6 mg/kg/Tag an Hunde im Stadium B deren kardial bedingten Tod, bzw. die Euthanasie verzögern kann.

Pimobendan wirkt positiv inotrop und durch Kalzium-Sensibilisierung und Phosphodiesterase-Hemmung vasodilatativ. Ebenso konnten verschiedene Studien zeigen, dass die Pimobendangabe mit einer Reduzierung der Herzgröße verbunden ist. Sofern eine systemische Perfusion erhalten bleibt, könnte dies für Hunde mit MMVD im Stadium B2 ein Vorteil sein.

Um dieser Hypothese nachzugehen, wurden in einer aktuellen EPIC-Studie ( = prospektive, randomisierte, Plazebo-kontrollierte, verblindete, multizentrische klinische Studie) 360 Hunde mit MMVD und echokardiografisch sowie radiografisch nachgewiesener Kardiomegalie untersucht. Die Tiere erhielten neben Pimobendan keine weiteren kardiovaskulären Medikamente.

Ergebnis der Untersuchungen: Die Pimobendangabe erwies sich als sicher und verträglich. Der mediane Zeitpunkt bis zum primären Endpunkt (= Zeit bis zum Einsetzen des CHF/ bzw. kardial bedinger Tod/ bzw. Euthanasie) betrug 1228 Tage in der Pimobendangruppe, im Vergleich zu 766 Tagen in der Plazebogruppe. Die präklinische Phase konnte durch Verzögerung des Eintretens der CHF um etwa 15 Monate verlängert werden.

Die englische Originalarbeit finden Sie hier. Abonnenten der Kleintierpraxis können die deutsche Übersetzung „Die Wirkung von Pimobendan bei Hunden mit präklinischer myxomatöser Mitralklappenerkrankung und Kardiomegalie: Die EPIC-Studie − eine randomisierte klinische Studie" von Adrian Boswood et al. in der aktuellen Ausgabe der Kleintierpraxis lesen. ( lp)