Behandlungsmethode | Diskusprolaps 10.05.2017

Stammzelltherapie nach Bandscheibenvorfall

Veterinärmediziner der Universität Zürich erproben derzeit, ob die Injektion von Stammzellen zu einer Regeneration vorgefallener Bandscheiben führen könnte.

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Bandscheibenvorfälle kommen in tierärztlichen Praxen nicht nur bei Dackeln immer wieder vor. Folgen des Vorfalls sind Schmerzen und Lähmungserscheinungen, da das faserknoplige Gewebe das Rückenmark komprimiert. Um den Druck auf Nerven und Rückenmark zu beheben, muss operiert werden. Nach chirurgischem Eingreifen und Entfernung des vorgefallenen Materials erholen sich die Tiere im besten Fall von der Symptomatik, eine Degeneration der Bandscheibe bleibt allerdings bestehen.

Grosse Hoffnung liegt deshalb in der Stammzelltherapie, wie sie Frank Steffen, Neurologe an der Klinik für Kleintierchirurgie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, verfolgt. Der Tierarzt betreut in der Klinik regelmäßig Patienten mit Diskusprolaps und hat aus diesem Grund eine Studie mit Schäferhunden initiiert, die in Zusammenarbeit mit der Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF) in Nottwil durchgeführt wird.

Für die Untersuchungen entnahmen Steffen und sein Team nach Einwilligung der Hundehalter Stammzellen aus dem Mark des Beckenknochens der betroffenen Hunde. Nach Reinigung und Aufbereitung des Zellmaterials im Labor wurden die Stammzellen während der Bandscheibenoperation in die degenerierte Bandscheibe injiziert. Die Hoffnung ist, dass die multipotenten Zellen dort zelluläre und molekuläre Reparaturvorgänge auslösen und im Idealfall neue Bandscheibenzellen bilden.

Bisher konnte nur gezeigt werden, dass die Stammzellinjektionen gut vertragen werden. Ob es tatsächlich auch zur Gewebsregeneration kommt, ist allerdings noch unklar. Die Forscher wollen den Zellen auch noch Wachstumsfaktoren hinzufügen. Sollte sich die Methode als Erfolg entpuppen, könnte sie wegweisend sein, auch für die Humanmedizin. ( lp)