Open Access 27.02.2017

Tierwohl und Wohlbefinden – Definition, Bewertung und Diskussion mit Fokussierung auf die Milchkuh

Animal welfare – definition, assessment and discussion with special regard to dairy cattle

Zusammenfassung
Tierwohl und Wohlbefinden von Nutztieren in der Landwirtschaft erfahren gesellschaftlich und politisch zunehmend an Bedeutung. Sowohl auf deutscher und internationaler Ebene, politisch wie wissenschaftlich, lässt sich ein Grundkonsens zur Begrifflichkeit des Tierwohls erkennen: Neben der Gesundheit des Tieres ist ebenso der Aspekt des Wohlbefindens zu berücksichtigen. Ob sich dahinter Emotionen, die Anpassungsfähigkeit des Tieres oder die Ausübung artspezifischen Verhaltens verbergen, wird von den verschiedenen Vertretern wiederum unterschiedlich interpretiert. Unbestritten ist die Relevanz von Messprotokollen und Bewertungssystemen zur Erfassung des Tierwohls, die auf europäischer und nationaler Ebene bereits etabliert, in ihren Indikatoren für Milchkühe aber oft auf Gesundheitsparameter sowie Haltung und Management der Tiere beschränkt bleiben. Üblicherweise werden Tierwohlindikatoren übergeordnet in ressourcen-, management- sowie tierbasierte Indikatoren eingruppiert. Letztere beinhalten verhaltensbasierte Indikatoren, die trotz diffiziler Erfassung bei geringerer Reliabilität eine höhere Aussagekraft bezogen auf das Tierwohl des Individuums, evtl. auch der Herde, bieten, als die reine Protokollierung von Gesundheits- und Umgebungsdaten. Eine wissenschaftliche Validierung dieser tier- und verhaltensbasierten Tierwohlindikatoren steht noch aus.
Die Berücksichtigung ihrer spezifischen Haltungsanforderungen und die Möglichkeit zur Ausübung artspezifischen Verhaltens sind wichtige Aspekte zur Sicherung des Wohlbefindens der Milchkuh, welche aufgrund der aktuellen Haltungsbedingungen in Deutschland nur für einen Teil der Tiere erfüllt werden. Standardisierte valide Tierwohlindikatoren können zur Verbesserung der Haltungen beitragen und sind aus Verbrauchersicht für die Erweiterung der Produktpalette tierwohlkonformer Lebensmittel zu unterstützen.

Schlüsselwörter: Tierwohl, Wohlbefinden, animal welfare, Milchkuh

Summary
The concepts of animal welfare and well-being in farm animals gain societally and politically in importance. A basic consensus in the understanding of animal welfare may be seen both in Germany and internationally, in politics as well as in science: apart from health, well-being has to be considered too. Whether this describes emotions, adaptability of the animal or fulfilling species-specific behaviour, is a question of interpretation that differs with the various representatives. However, the relevance of assessment protocols and evaluating systems to measure animal welfare is undisputed and already established on European and national level, although their welfare indicators are often limited to parameters of health, housing and management. Generally, animal welfare indicators can be grouped as resource-, management- and animal-based. The former includes behaviour-based indicators, which, despite its difficult acquisition and lower reliability, provide a higher validity of the individual´s animal welfare, possibly as well as the herd´s, than the mere recording of health and environmental data. A scientific validation of these animal-based and behaviour-oriented animal welfare indicators is still pending.
Both, the consideration of the dairy cow´s specific housing needs and provision of the opportunity to fulfil species-specific behaviour, are important to assure the cow´s welfare. Due to current German husbandry conditions these aspects are only considered for a proportion of dairy cattle. Standardized valid animal welfare indicators may be able to improve livestock husbandry and may contribute greatly to expand the product range of welfare-conform food, which is to be supported from the customer´s point of view.

Keywords: animal welfare, animal well-being, dairy cattle

Downloadartikel

Kostenloser Download

Klicken Sie hier, wenn Sie den Artikel BMTW OA 16080 (333 KB) als PDF herunterladen wollen.

Weitere Informationen zum Beitrag

© Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG