Journal Club | Kleintier 19.03.2017

Vertikaler Bewegungsradius der Mandibel bei anästhesierten Hunden und Katzen

Die objektive Ermittlung des vertikalen Bewegungsspielraums vom Mandibulargelenk könnte helfen, eine Reihe von Beschwerden, die mit Bewegungseinschränkungen in diesem Gelenk einhergehen, frühzeitig zu erkennen.

Material und Methoden
Die sogenannte vertical mandibular range of motion (vmROM) steht in direktem Zusammenhang mit dem maximalen Abstand zwischen oberen und unteren Schneidezähnen beim Öffnen der Maulspalte. Dieser Abstand wurde bei 260 Hunden und 127 Katzen gemessen, die im Zeitraum von Juni 2011 bis April 2015 aufgrund von Beschwerden oder notwendigen Eingriffen in der Maulhöhle oder im maxillofazialen Bereich anästhesiert wurden. Tiere mit vorberichtlichen oder akuten Erkrankungen, die das Öffnungsvermögen des Mauls beeinträchtigen könnten, wurden ausgeschlossen. Die Hunde wurden anhand ihres Körpergewichts vier Untergruppen zugeordnet: Subgruppe 1 (≤ 5,0 kg, 51 Hunde), Subgruppe 2 (5,1–10,0 kg, 56 Hunde), Subgruppe 3 (10,1–25 kg, 66 Hunde) und Subgruppe 4 (> 25,1 kg, 87 Hunde). Die Korrelationen zwischen vmROM, Alter, Geschlecht und Körpergewicht wurden beurteilt.

Ergebnisse 
Der mittlere vmROM aller Hunde betrug 107 ± 30 mm (Median 109, Spannweite 40–180); sie lag in Subgruppe 1 bei 67 ± 15 mm (Median 67, Spannweite 40–100), in Subgruppe 2 bei 93 ± 15 mm (Median 93, Spannweite 53–128), in Subgruppe 3 bei 115 ± 19 mm (Median 116, Spannweite 59–154) und in Subgruppe 4 bei 134 ± 19 mm (Median 135, Spannweite 93–180). Der vmROM der Katzen betrug 62 ± 8 mm (Median 63, Spannweite 41–84). Bei den Hunden wurde keine Korrelation zwischen vmROM und Lebensalter festgestellt, während bei den Katzen eine schwache positive Korrelation bestand. Bei beiden Tierarten waren vmROM und Körpergewicht positiv korreliert, mit Ausnahme der Hunde aus Subgruppe 2. Insgesamt waren vmROM und Körpergewicht sowohl bei Hunden als auch bei Katzen bei den männlichen Tieren signifikant größer. Innerhalb der Hunde-Subgruppen lagen aber keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den vmROM-Werten vor und nur in der Subgruppe 4 waren die männlichen Tiere signifikant schwerer als die weiblichen.

Schlussfolgerungen
Die Beurteilung der vmROM sollte nach Ansicht der Autoren zum Bestandteil jeder diagnostischen Untersuchung werden, da sie individuellen Veränderungen im Zeitverlauf ein diagnostisches Potenzial zuschreibt. Es sei jedoch angemerkt, dass Zeitverläufe in dieser Studie gar nicht untersucht wurden und nur eine begrenzte Menge an möglichen Störgrößen (Lebensalter, Körpergewicht und Geschlecht) betrachtet wurde, sodass dieses Fazit verfrüht erscheint. Klar wird jedoch, dass aufgrund der sehr großen Spannweite der Messwerte die Ableitung von über das Einzeltier hinausgehenden Normalwerten wenig praxisrelevant sein dürfte. (cf)

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Gracis M, Zini E (2016): Vertical Mandibular Range of Motion in Anesthetized Dogs and Cats. Front Vet Sci 2016; 3: 51. doi: 10.3389/fvets.2016.00051.