Umfrage | Tierärzte 20.03.2017

Ausgebrannt? Angestellte Tierärzte sind unzufrieden

Wieder einmal bestätigt eine Befragung, dass Tierärzte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen viel arbeiten und wenig verdienen. Vor allem angestellte Tiermediziner sind unzufrieden.

 - Abgebrannt? Der Arbeitsalltag von Tierärzten ist lang.
Abgebrannt? Der Arbeitsalltag von Tierärzten ist lang.
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Die Tierärzteschaft befindet sich im Wandel: Einerseits tritt die Generation Y - geboren nach 1980 - mit verändertem Werteverständnis auf den veterinärmedizinischen Arbeitsmarkt, andererseits steigt der Frauenanteil beschäftigter Tierärzte stetig an. Untersuchungen haben immer wieder von langen Arbeitszeiten, Stress und niedrigen Löhnen berichtet. Haben sich die Arbeitsbedingungen inzwischen verbessert?

Für eine aktuell publizierte Studie wurden Fragebögen von 1930 praktizierenden Tiermedizinern (9 % der Zielpopulation) aus dem Frühjahr 2016 ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Wochenarbeitszeit vollzeittätiger Tierärzte mit durchschnittlich 50 Stunden pro Woche weiterhin hoch ist, insbesondere bei Pferdepraktikern. Väter arbeiteten fast 19 Stunden mehr in der Woche als Mütter und beinahe die Hälfte der angestellten Tiermediziner arbeiteten länger als gesetzlich erlaubt. Was das Gehalt anging, verdienten niedergelassene Tiermediziner in Vollzeit signifikant mehr (Stundenlohn Männer 26 €, Frauen 19 €) als angestellte Tierärzte (Bruttostundenlohn Männer 14 €, Frauen 13 €), wobei sich das Gehalt der Tiermediziner im Angestelltenverhältnis seit 2006 immerhin etwas verbessert hat. Trotzdem verdienten sie signifikant weniger als gleichqualifizierte Akademiker. Insbesondere bei in Kliniken beschäftigten Berufsanfängern kamen Mindestlohnunterschreitungen vor.

Es verwundert nicht, dass Teilnehmer mit langen Arbeitszeiten und geringem Einkommen unzufriedener mit ihrer Arbeit waren. Diese Verstimmung spiegelte sich auch im Vergleich mit anderen Akademikern mit ähnlichen Qualifikation wider: Laut den Umfragen waren angestellte Tierärzte und Tierärztinnen unzufriedener mit den meisten Teilbereichen ihres Lebens.

Die Ergebnisse der Befragung stammen aus der Berliner und Münchener Tierärtzlichen Wochenschrift und stehen als Open-Access-Artikel zur Verfügung. Sie können hier kostenfrei gelesen werden. Insgesamt rufen sie dazu auf, die Arbeitsbedingungen und Zufriedenheit praktizierender Tiermediziner in Deutschland weiter zu hinterfragen und zu diskutieren . (lp)