Tierarztkosten | Urteil 19.06.2017

Verklagte Züchterin muss nicht zahlen

Das Landgericht Ingolstadt hat die Klage einer Besitzerin auf die Erstattung von Tierarztkosten für Mopshündin Ronja abgewiesen.

5.487,78 Euro Tierarztkosten waren für die reinrassige Mopsdame aufgelaufen. Mit zwei Jahren waren bei der Hündin erstmals epileptische Anfälle aufgetreten. Der Tierarzt diagnostizierte eine genetisch veranlagte Autoimmunkrankheit. Ronja litt unter einer Meningitis, Ödemen im Gehirn sowie einem Hydrocephalus und einer Mopsencephalitis. Die Besitzerin verklagte daraufhin die Züchterin, da der Hund von Anfang an nicht frei von Mängeln gewesen sei. Zudem wurde der Züchterin vorgeworfen, von den Defiziten gewusst und durch die häufige Belegung der Mutterhündin jeden Zuchtstandard verletzt zu haben. Die Halterin forderte Anteile des Kaufpreises von 1.400 Euro zurück und verlangte zudem eine Übernahme der enstandenenTierarztkosten. Das Landgericht Ingolstadt hat der Klägerin nun 700 Euro zugesprochen und im Übrigen die Klage abgewiesen.

Nach Auffassung des Gerichts ist zwischen der Kaufpreisminderung und den krankheitsbedingt angefallenen Tierarztkosten zu unterscheiden. Da die Züchterin wegen der Vielzahl der Welpen und der dadurch bedingten Einkünfte als gewerbliche Züchterin einzustufen sei, habe sie einen Gewährleistungsausschluss (wie bei Verkäufen unter Privatleuten allgemein üblich) nicht wirksam vereinbaren können. Durch den Gendefekt, der auch durch ein gerichtlich eingeholtes veterinärärztliches Gutachten bestätigt wurde, sei der Hund tatsächlich mangelhaft und deswegen ein Kaufpreisabschlag von 50 Prozent gerechtfertigt.

Anders verhalte es sich mit den Tierarztkosten. Diese stellten eine Schadensersatzposition dar und erforderten den Nachweis eines Verschuldens bei der verklagten Züchterin. Dies sei zu verneinen. Die Züchterin hatte keine Kenntnis und musste auch keine Kenntnis vom Gendefekt haben. Die zu frühe und zu häufige Belegung der Mutterhündin haben darauf keinen Einfluss. Bei der Übergabe des Hundes mit zwei Monaten war noch keine Krankheit erkennbar. Weder die Eltern noch die Geschwister hatten eine solche Krankheit. Im Jahr 2012 war nach den Angaben der Sachverständigen ein Gentest hierfür in Deutschland auch nicht verfügbar. Die Züchterin war auch nicht verpflichtet, ohne weitere Anhaltspunkte einen solchen Gentest in den USA – das einzige Land, das 2012 solche Gentests anbot – durchzuführen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Parteien könnten innerhalb von einem Monat ab Urteilszustellung Berufung beim OLG München einlegen.

Quelle: PM LG Ingolstadt v. 31.05.2017