Recht | Pferd 30.03.2020

250.000 Geldstrafe wegen versäumter Aufklärung − drei Dinge, die Tierärzte aus diesem Urteil lernen können

Tod nach homöopathischer Behandlung: Wir erklären, warum Sie den Tierhalter auch über sehr seltene Risiken einer Behandlung aufklären sollten.

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Foto: Monkey Bus.- Fotolia.com

Der Fall

Der beklagte Tierarzt war zu einem Pferd gerufen worden, bei dem die Klägerin eine leichte Erkältung vermutete. Es war Husten aufgetreten, weitere Anzeichen einer Atemwegserkrankung bemerkte die Halterin nicht. Nachdem der Tierarzt bei dem Pferd bereits mehrmals eine Eigenbluttherapie mit homöopathischen Mitteln durchgeführt hatte, schlug er der Klägerin erneut diese Therapie vor. Eine Aufklärung über etwaige Risiken fand nicht statt. Nach der Injektion der homöopathischen Mittel intravenös bzw. intramuskulär und der Eigenblutpräparate subkutan zeigte das Pferd schockähnliche Symptome. Eine Injektion von Kortison und Adrenalin blieb erfolglos und das Pferd verendete.

Die Obduktion ergab ein akutes Herz-Kreislaufversagen bzw. eine Schockreaktion. Die Halterin klagte auf Schadensersatz und das Oberlandesgericht München gab der Klage statt. Grund: Verletzung der Aufklärungspflicht. Lesen Sie das vollständige Urteil hier.

1. Die tierärztliche Aufklärungspflicht: So sieht das Gericht sie

Tierärzte sind dazu verpflichtet, dem Tierhalter

  • die gewählte Behandlungsmethode
  • ihre Risiken (auch sehr seltene!)
  • die Erfolgsaussichten sowie
  • etwaige Behandlungsalternativen darzustellen.

Art und Umfang der Aufklärung sollten sich hierbei an den erkennbaren wirtschaftlichen Interessen des Tierhalters zu orientieren, wobei auch der materielle und ideelle Wert des Tieres maßgeblich sein können.

Nach der Aufklärung muss der Tierhalter eine umfassende Risikoabwägung hinsichtlich des Eingriffs vornehmen können. 

2. Unzureichend informiert? Es gelten keine Ausreden!

Im obigen Fall konnte sich der Beklagte nicht mit der Behauptung exkulpieren, dass er keine Kenntnis von dem seltenen Risiko einer etwaigen Unverträglichkeit gehabt habe.

  • Der Tierarzt muss die Risiken seiner eingesetzten Behandlungsmethoden kennen.
  • Bei Medikamenten/alternativen Heilmethoden sind im Zweifelsfall immer die Angaben des Herstellers zu studieren.
  • Vor Gericht muss der Tierarzt den Beweis erbringen, dass der Schaden auch bei rechtmäßigem Handeln eingetreten wäre.

  • 3. Aufklärung: dokumentieren!
Olivia Haverkamp, Fachanwältin für Medizinrecht (www.bergmannpartner.com), die das Urteil für Der Praktische Tierarzt kommentiert hat, rät Praktikern dringend dazu, den Tierhalter selbst über sehr seltene Risiken aufzuklären, um die Gefahr einer Haftung auszuschließen.

Die Aufklärung sollte für den Fall eines Haftungsprozesses ausreichend dokumentiert werden, um etwaige Beweisschwierigkeiten vor Gericht zu vermeiden.