Ethylenglykolintoxikation | Katze 12.06.2018

98-prozentige Letalität

Katzen mit einer Ethylenintoxikation werden häufig zu spät beim Tierarzt vorgestellt und versterben. Eine Therapie sollte wenn möglich innerhalb der ersten drei Stunden eingeleitet werden.

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Eine Katze trinkt aus einem Kleister-Bottich. Am nächsten Morgen ist sie apathisch, gibt mitunter laute Schreie von sich und kann wenn nur noch schwankend laufen. Obwohl Katzen selektive Fresser sind, kommen Intoxikationen mit Ethylenglykol immer wieder vor. Die hohe Letalität, die bei Katzen bei 98 Prozent liegt, kann auf die späte Vorstellung beim Tierarzt, meist erst nach Beginn eines akuten Nierenversagens, und auf die Fehlinterpretation der unspezifischen Symptomatik zurückgeführt werden. Dem Tierarzt stehen folgende Therapieoptionen zur Verfügung:

Antidots - nur in den ersten drei Stunden nach Giftaufnahme sinnvoll!
Fomepizol: sehr effektiver Hemmstoff der Alkoholdehydrogenase
- Dosis: 125 mg/kg i.v. als Bolus, dann nach 12, 24 und 36 Stunden 31.25 mg/kg
- Vorteil: keine Gefahr zentral depressiver Nebenwirkungen wie Atemlähmung und schwerer Hypothermie
- Nachteil: kostenintensiv (184 Euro pro 100 mg)

Ethanol: kompetitive Hemmung der Alkoholdehydrogenase
- Dosis: 20%iges Ethanol in NaCl 5 ml/kg/KG in einer Stunde i.v.; fünf Wiederholungen im Abstand von sechs Stunden, danach vier Mal im Abstand von acht Stunden
- Vorteil: bei Gabe innerhalb der ersten drei Stunden Erhöhung der renalen Ausscheidung von Ethylenglykol auf über 70 Prozent
- Nachteil: wirkt zentral depressiv
- zum Ausgleich einer bestehenden Azidose sowie des Flüssigkeitsverlustes sollte eine gleichzeitige Infusionstherapie mit balancierter Vollelektrolytlösung durchgeführt werden, z.B. Sterofundin iso.

Weitere Optionen:

- Magenspülung, Katze erbrechen lassen: Gefahr der Aspirationspneumonie. Wenn in Narkose bei gleichzeitiger Intubation. Die Prognose richtet sich nach der Zeit zwischen Giftaufnahme und Therapiebeginn. Entscheidend ist das Vorhandensein einer Azotämie.

Einen aktuellen Fallbericht über die "Ethylenglykolvergiftung bei einer Katze" können die Abonnenten der Kleintierpraxis in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift lesen.

Weitere interessante Infos und Dosierungen finden Sie außerdem in unserem Fall des Monats. Einen Artikel zur Intoxikation von Katzen mit Haushaltsreinigern finden SIe

lp