Ernährung | Kleintier 12.03.2020

Ab jetzt Nierendiät: 10 Tipps für die Futterumstellung

Zwei-Napf-Methode, Futterneid und Kochrezept: Wir zeigen Ihnen, wie die Futterumstellung nierenkranker Patienten gelingen kann und was es bei "Home Made Diets" zu beachten gilt.

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Sie sind nicht die Schmackhaftesten und müssen dennoch ein Leben lang gefüttert werden: Nierendiäten. So klappt es mit der Futterumstellung:

1. Den richtigen Zeitpunkt finden: Zwar ist es sinnvoll, die Tiere nach der Diagnose möglichst rasch auf ein entsprechendes Diätfuttermittel umzustellen, einige Umstände können diese jedoch erschweren.. Heißt: Neues Futtermöglichst nicht bei hospitalisierten Patienten und nicht im Stadium der Urämie (Tieren ist übel!) beginnen. Stattdessen „Futterneid“ nutzen, wenn mehrere Tiere im Haushalt sind. Hierbei unbedingt die Kontraindikationen für Nierendiäten beachten – nicht (bzw. nicht ohne Ergänzung) bei wachsenden Tieren oder laktierenden Individuen einsetzen.

2. Nierendiät langsam untermogeln: Langsames „Verschneiden“ des neuen mit dem bisher verfütterten Futter, ggf. das neue Futter zunächst als „Leckerchen“ bzw. aus der Hand füttern.

3. Futter und Medikamente trennen: Um keine negativen Assoziationen zum Diätfutter zu erzeugen, sollte eine Medikamentengabe stets mit einem alternativen Futtermittel erfolgen.

4. Verschiedene Geschmacksrichtungen ausprobieren: Nutzung verschiedener Varietäten (unterschiedliche Geschmacksrichtungen, Fleischarten).

5. Futter schmackhafter gestalten: Nutzung von Fett (frei von Rp und P!) als Geschmacksträger.

6. Auf Konsistenz achten: Katzen reagieren häufig sehr empfindlich auf eine Änderung der Konsistenz (extrem starke Prägung). Wenn eine Gingivitis die Futteraufnahme bei Trockenfutter mindert, kann es jedoch Sinn machen, auf Feuchtfutter zu wechseln oder ggf. die Konsistenz durch Einweichen zu ändern. Ebenso kann das Feuchtfutter auf den Boden des Napfes gefüllt und das Trockenfutter obenauf gelegt werden. Wenn die Katze die Kroketten aus dem Napf fischt, nimmt sie automatisch auch den Geschmack des Feuchtfutters auf und gewöhnt sich unter Umständen daran.

Extra-Tipp: Bei Vorliegen von Ulzerationen im Bereich des Mauls kann die Futteraufnahme ggf. aufgrund von Schmerzen reduziert sein. In diesem Falle hat sich die lokale Anwendung eines Xylocain-Gels ca. zehn Minuten vor der Fütterung bewährt.

7. Mal warm probieren: In einigen Fällen kann die Akzeptanz des Futters durch das Anwärmen erhöht werden.

8. Zwei-Napf-Methode: Diese Fütterungsmethode setzt auf die Neugier der Katzen. Hierbei wird eine geringe Menge des neuen Futters in einem zweiten Napf neben dem gewohnten angeboten. Der Gedanke ist, dass das neue Futter nicht mehr als fremd empfunden wird. Dann kann die Menge in den Näpfen verändert werden, bis das alte Futter vom Speiseplan verschwunden ist.

9. Selber kochen: Selbstverständlich ist es möglich, Home-Made-Diets in der diätetischen Behandlung von Patienten mit CNE einzusetzen – diese sollten jedoch fundiert erstellt werden und die Grundsätze der diätetischen Maßnahmen bei CNE berücksichtigen. Etliche der „Rezepte“ sind nicht bezüglich aller Nährstoffe bedarfsdeckend konzipiert. Als Eiweißquellen können Fleisch, Eier, Milchprodukte oder bindegewebsarme Organe eingesetzt werden. Bindegewebsreiche Nebenprodukte wie z. B. Sehnen oder Rinderkopfhaut sollten nicht bzw. nur in begrenztem Umfang zum Einsatz kommen. Da mageres Muskelfleisch ein sehr weites Verhältnis von verdaulichem Protein (vRp) und Energie (Relation vRp : MJ ME) aufweist, bedeutet dies in der praktischen Fütterung, dass insbesondere mageres Muskelfleisch nicht ausschließlich bzw. nur zu einem geringen Anteil in der Ration enthalten sein sollte. Die Einstellung eines engeren Verhältnisses von Protein zu Energie kann zum Beispiel durch Einsatz fettreicherer Teilstücke und/oder den Einsatz von Energieträgern mit geringem Protein- und P-Gehalt (z. B. Öle und Fette, aber auch Kartoffeln und andere kohlenhydratreiche Futtermittel) erfolgen. Bei hausgemachten Rationen ist sicherzustellen, dass die Ration durch ein entsprechend zusammengesetztes Mineralfutter ergänzt wird. Hierbei ist nicht nur zu berücksichtigen, dass es bzgl. des P-Gehaltes geeignet ist, sondern dass es auch eine adäquate Ergänzung mit Spurenelementen und Vitaminen sicherstellt, sofern keine Innereien wie z. B. Leber eingesetzt werden. Pauschale Aussagen zu einem „ideal geeigneten“ Mineralfutter sind dabei schwer bis unmöglich zu treffen, da stets die P-Einträge aus den eingesetzten Futterkomponenten in die Ration berücksichtigt werden müssen. Eine fundierte, individuelle Rations­berechnung ist daher stets angezeigt.

10. Den Besitzer abholen: Wenn ein Tier das Nierenfutter nicht fressen mag, führt das schnell zu Frust. Eine gute Compliance der Tierhalter ist jedoch extrem wichtig! Kommunizieren sie offen, dass zwar keine Heilung möglich ist, aber mit entsprechender Ernährungsumstellung die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Tiere oftmals lange erhalten bzw. deutlich verbessert werden kann. Manche Besitzer stören sich an dem (fachlich korrekten) Begriff „Diät“, weil sie damit Verzicht bzw. ein energiereduziertes Futter assoziieren – verwenden Sie in diesem Falle evtl. den Begriff „Spezialfutter“ oder „speziell auf die Bedürfnisse des Tieres abgestimmtes Futter“.

Im Fortbildungsartikel "Diätetische Maßnahmen für Hunde und Katzen mit chronischer Nierenerkrankung" von Anne Mößeler können Abonnenten der Kleintierpraxis ab dem 16. 03 in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift lesen. Wer ebenfalls noch eine Fortbildungsstunde braucht, findet den Artiekl und viele weitere Fortbildungsangebote auf der vetline Akademie.