Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 12.05.2020

Aiming at the patient’s good? Considering legitimate and illegitimate forms of promoting health-related interests

Zum Wohle des Patienten? Über legitime und illegitime Formen der Förderung gesundheitsbezogener Interessen

Summary
The aim of this paper is to clarify the theory of the animal patient presented in a former paper by Thurner et al. (2018) and use it as an analytical tool in veterinary ethics. By means of the case of an animal’s broken leg, which I assume can be “treated” either by splinting or by euthanasia, I demonstrate that this theory faces a structural challenge. According to the theory of Thurner et al. (2018), the performance of both treatments would make the animal a patient. This follows from the concept of promoting health-related interests as used by the authors. Therefore, in four steps, I specify the concept of promoting animals’ health-related interests with the case of the fracture. In the first step, I point out that different treatment options correspond to differing ends. In the second step, I argue that from the animal’s supposed point of view splinting the fracture is preferable to euthanasia, for this course of action promotes the animal’s best interest. In the third step, I distinguish between a legitimate and an illegitimate promotion of animals’ health-related interests. I argue that an animal qualifies as a patient only if her health-related interests are legitimately promoted. In the fourth step, I present my modified criterion for becoming a patient. In addition, I highlight two benefits of theorising the patient in veterinary ethics. First, the concept can be used to distinguish five categories of veterinary interventions. Second, the concept can stimulate changes in how humans treat animals, thereby improving animal welfare.

Keywords
animal patient, quality of life, best interest, animal welfare, veterinary ethics

Zusammenfassung
Ziel dieses Aufsatzes ist es, die in einem früheren Paper von Thurner et al. (2018) dargelegte Theorie des tierlichen Patienten zu präzisieren und als analytisches Tool in der veterinärmedizinischen Ethik zu verwenden. Am Beispiel eines Tieres mit gebrochenem Bein weise ich auf ein strukturelles Problem hin, mit dem diese Theorie konfrontiert ist. Angenommen, die Fraktur könnte entweder durch das Schienen des Beins oder die Euthanasie des Tieres „behandelt“ werden, so würden beide Behandlungen das Tier nach Thurner et al. (2018) zu einem Patienten machen. Dieser Umstand ist auf das Konzept der Förderung gesundheitsbezogener Interessen zurückzuführen, dessen sich die Autoren bedienen. Ich spezifiziere daher das Konzept der Förderung gesundheitsbezogener Interessen anhand des Falls der Fraktur in vier Schritten. Im ersten Schritt zeige ich auf, dass verschiedene Behandlungsoptionen mit verschiedenen Zwecken korrespondieren. Im zweiten Schritt argumentiere ich, dass aus der mutmaßlichen Perspektive des Tieres das Schienen der Fraktur der Euthanasie vorzuziehen ist, weil diese Option das beste Interesse des Tieres fördert. Im dritten Schritt unterscheide ich eine legitime und illegitime Förderung gesundheitsbezogener Interessen. Ich argumentiere, dass ein Tier nur dann als Patient bezeichnet werden kann, wenn seine gesundheitsbezogenen Interessen legitim gefördert werden. Im vierten Schritt präsentiere ich das modifizierte Kriterium, das erfüllt sein muss, um von einem tierlichen Patienten sprechen zu können. Zudem hebe ich hervor, welche Vorteile es hat, den Patientenbegriff in der veterinärmedizinischen Ethik zu thematisieren. Erstens können mithilfe des Patientenbegriffs fünf Kategorien veterinärmedizinischen Handelns unterschieden werden. Zweitens kann der Patientenbegriff eine Änderung des Umganges mit Tieren anregen und auf diese Weise tierliches Wohlbefinden verbessern.

Schlüsselwörter
tierlicher Patient, Lebensqualität, bestes Interesse, Tierschutz, veterinärmedizinische Ethik

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