Journal Club 12.02.2004

Akute Colitis

Die akute equine Colitis führt schnell zur Entkräftung und zum Tode des betroffenen Pferdes. Über 90 % der unbehandelten Fälle sterben oder müssen euthanasiert werden. Bei schneller und gezielter Therapie besteht jedoch die Aussicht, dass die Pferde genesen und sich innerhalb von sieben bis 14 Tagen erholen.

Der akuten equinen Colitis können sehr verschiedene Ursachen zugrunde liegen:

Infektionen mit Salmonella spp., Clostridium spp., Neorickettsia risticii, Cyathostomum, und Strongyliden können Colitis verursachen, wie auch die Gabe von NSAIDs oder Tetrazyklin, Makroliden, Cephalosporinen, Clindamycin, Lincomycin, Florfenicol, potenzierten Sulfonamiden. Weitere Ursachen sind Arsenoder Cantharidinvergiftungen, ideopathische nekrotisierende Enterocolitis und Sandansammlungen im Darmkonvolut – häufig kombiniert mit einer Stresssituation. Der Pathomechanismus und das Krankheitsbild gleichen sich jedoch stark.

Die auftretende massive Entzündung des Caecums und/oder des Colons ist in ihrer Schwere und der hochgradigen Flüssigkeitsausscheidung in den Darm eine beim Pferd typische Erkrankung, die innerhalb von Stunden aufgrund des Flüssigkeitsverlustes und der Elektrolytimbalancen zum Tode führen kann. Beim Pferd treffen, im Gegensatz zu anderen Tierarten, drei fatale Reaktionsmuster zusammen: Die starke, auch physiologisch auftretende Besiedlung des Caecums mit gramnegativer, Endotoxin produzierender Keimflora; der starke Anstieg der Prostaglandinsynthese in der Darmschleimhaut, der zu einer vermehrten Chloridsekretion ins Darmlumen führt; sowie die ausgeprägte Stimulation residenter eosinophiler Granulozyten, die die diffuse Darmentzündung noch verstärken, insbesondere wenn die Schleimhautbarriere aufgehoben wurde und ein Endotoxineinstrom in die Blutbahn erfolgt.

Die Therapie besteht, mit Ausnahme von bakteriellen Infektionen, ausschließlich in einer symptomatischen Behandlung, die darauf abzielt, den auftretenden Volumenmangelschock, die massive Anschwemmung von Endotoxinen im Blut und die Hypoproteinämie mit begleitenden Ödemen zu bekämpfen.

Die Behandlung ist kostspielig und aufwändig und erfordert ständige Überwachung.

Empfohlen werden einmalig 1–2 l hypertone (7 %) NaCl-Lösung i. v., gefolgt von 2 (–10) l isotonischer Vollelektrolytlösung pro Stunde (450 kg Pferd).

Die Hypoproteinämie wird am besten mit 6–10 l Frischplasma (Albumin 3,0 g/dl) oder synthetischen Kolloidlösungen bekämpft. Dies sollte bereits bei beginnender Hypoproteinämie angefangen werden. Schreitet der Prozess trotz Behandlung fort, kann die zusätzliche Gabe von 2–10 l Kolloidlösung notwendig werden. Die Prognose verschlechtert sich jedoch bei zunehmender oder therapieresistenter Hypoproteinämie.

Endotoxine sollten mit Serumgaben (1,5 ml/kg KG i. v.) oder Polymyxin B (1000–6000 IE/kg KG i. v.) behandelt werden.

Flunixin-Meglumin (1,1 mg/kg KG i. v.) ist angezeigt, um die Bildung endotoxinbedingter Entzündungsmediatoren zu unterbrechen. Auch Prednisolon (1 mg/kg KG i. v.) kann zu diesem Zweck einmalig verabreicht werden. Alternativ kann zur Schmerzbekämpfung der teilweise heftigen begleitenden Kolik 0,02–0,08 mg/kg i. m. Butorphanol in Kombination mit 0,01–0,02 mg/kg i. m. Detomidin alle 6–8 h gegeben werden.

Eine Antibiose muss sorgfältig abgewogen werden. Die Gabe von Penizillin und Gentamicin ist weit verbreitet. Orale Gaben von Metronidazol (10–15 mg/kg/8 h) sind bei Clostridieninfektionen angezeigt, Tetrazyklin bei Neorickettsia risticii- Infektionen. Bei unklarer Ätiologie sollten nicht routinemäßig Antibiotika gegeben werden.

Die Futteraufnahme der Patienten sistiert oft ganz. Dies muss spätestens nach 3–4 Tagen durch parenterale Ernährung aufgefangen werden, um Proteinverlust und Kachexie zu begegnen. Pferde, die weiterhin Appetit zeigen, sollten Heu, Gras und Kraftfutter angeboten bekommen. Solche Patienten haben eine bessere Prognose.

Mögliche Komplikationen wie Hufrehe, Thrombophlebitis und spätere Leistungsschwäche sind in die Überlegungen zur Therapie der akuten equinen Colitis miteinzubeziehen.

Anmerkung der Redaktion:
Einige der in diesem Artikel erwähnten Medikamente sind in Deutschland nicht für die Anwendung beim Pferd zugelassen.

(Quelle: R. McConnico:
Acute equine Colitis.
Comp. Cont. Edu. Pract. Vet. 25 (8) 623-631 (2003).)

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