Journal Club 18.01.2018

Antibiotika für die Borreliose-Therapie

Die chronische Lyme-Borreliose des Pferdes benötigt eine Langzeittherapie. Erfahrungen aus der Humanmedizin helfen bei der Wahl des richtigen Antibiotikums nur bedingt weiter, da in der Wirksamkeit und Verträglichkeit der Substanzen deutliche Unterschiede zum Pferd bestehen.

In der vorliegenden Studie wurden drei Borrelia burgdorferi sensu stricto Isolate in vitro auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Ceftiofur, Minocycline und Metronidazol getestet. Dabei wurde für jede Substanz die minimale Hemmstoffkonzentration (MHK) bestimmt. Alle Isolate waren auf sämtliche getesteten Substanzen sensibel. Die höchste Empfindlichkeit der getesteten Borrelienstämme bestand in vitro für Ceftiofur und die geringste für Metronidazol. Für die erfolgreiche Eliminierung der Erreger ist jedoch auch die Konzentration im Zielgewebe entscheidend.

Daten anderer Studien
Ceftiofur erreicht im Uterusgewebe in vivo höhere Konzentrationen als die MHK der getesteten Borrelien. In der einzigen In-vivo-Studie über die Wirksamkeit von Ceftiofur bei einer Borrelieninfektion bei vier Ponys blieben zwei Tiere infiziert. Möglicherweise konnte das Ceftiofur die erwünschte MHK nicht in allen Zielgeweben erreichen. Minocyclin hat beim Pfend nur eine orale Bioverfügbarkeit von 20–30 Prozent. Die empfohlene Dosis führt zu einer Spitzenkonzentration im Serum, die unter der MHK der Studie liegt. In der Synovia gemesse e Werte waren noch geringer. Die Reduktion von Steifheit oder Lahmheit nach Minocyclineinsatz ist vermutlich auf entzündungshemmende Effekte an Knorpel und Synovialstrukturen zurückzuführen. Für Metronidazol ist beschrieben, dass es in vitro als einzige antimikrobielle Substanz gegen die ruhende, zystische Form Wirksamkeit zeigt. Jedoch wird mit der Standarddosierung für Pferde nur die MHK für motile Borrelien erreicht – und diese nur kurzfristig im Serum.

Weiterer Forschungsbedarf
Ceftiofur scheint, mit Einschränkungen, am ehesten die erforderliche MHK im Tier zu erreichen. Weitere Studien sind nötig, um Substanzen zu finden, die zuverlässig und in allen Geweben den benötigten Wirkstoffspiegel erreichen. Außerdem sollten auch die in Europa häufiger vertretenen Stämme (B. burgdorferi sensu lato, B. afzelii und B. garnii) getestet und durch In-vivo-Studien der Einfluss des Immunsystems des Patienten auf den Therapieerfolg besser erforscht werden.

Jeanette Probst

Originalpublikation:
Caol S, Divers T, Crisman M, Chang YF (2017): In vitro susceptibility of Borrelia burgdorferi isolates to three antibiotics commonly used for treating equine Lyme disease. BMC Vet Res 13: 293. DOI: 10.1186/s12917-017-1212-3.