Open Access 30.09.2017

Antibiotische Therapie bei Zahn- und Sinuserkrankungen des Pferdes

Antimicrobial treatment of dental and sinus diseases in horses

Zusammenfassung
Vor allem Zahn-, aber auch Nasennebenhöhlenerkrankungen gehören in der Pferdemedizin zu den regelmäßig auftretenden Krankheiten. Die diagnostische Aufarbeitung ist vor allem in den Fällen, in denen Endoskopie, Röntgen oder Computertomografie notwendig werden, sowohl technisch als auch zeitlich und finanziell sehr aufwendig. Es ist jedoch von großer Bedeutung, die ursächliche Erkrankung sicher zu diagnostizieren und im Anschluss gezielt zu behandeln, um einen dauerhaften Therapieerfolg erzielen zu können. Im Allgemeinen sind Antibiotika im Rahmen einer unkomplizierten oralen Zahnextraktion beim Pferd nur selten indiziert. Die Pferde zeigen danach in der Regel einen ungestörten Heilungsverlauf. Bei Sinusitiden ist der Einsatz von antimikrobiell wirksamen Medikamenten häufiger angezeigt. Eine intensive perioperative Überwachung von Pferden nach chirurgischen Eingriff en am Kopf ist essenziell, um Komplikationen und Nebenwirkungen frühzeitig festzustellen und sofort angemessen therapieren zu können. Ist in einzelnen Fällen eine antimikrobielle Therapie erforderlich, sollte diese vor dem Hintergrund der aktuellen Situation der weltweit steigenden Anzahl multiresistenter Keime in Human- und Veterinärmedizin möglichst gezielt nach den Ergebnissen von Antibiogramm und Resistenztest erfolgen. Muss eine Therapie begonnen werden, bevor diese Daten vorliegen, ist die häufige Isolierung von gramnegativen Anaerobiern bei Zahn- und Sinuserkrankungen des Pferdes bei der Auswahl der Antibiotika zu beachten. Reserveantibiotika dürfen nicht als Mittel der ersten Wahl eingesetzt werden. Für die Grundsätze des therapeutischen Vorgehens gelten die Antibiotika-Leitlinien. Zudem sind spezifische, negative Reaktionen des Pferdes auf bestimmte Antibiotika zu beachten, die bei anderen Tierarten weniger verbreitet sind.

Schlüsselwörter
Nasennebenhöhlen, Sinusitis, Antibiotika, antimikrobielle Wirkstoffe, Resistenzen

Summary
Above all dental but also paranasal sinus problems are regularly occurring diseases in equine medicine. The diagnostic work-up with endoscopy, x-ray and computed tomography of horses with the suspicion of a dental or paranasal sinus disease can be technically, as well as time consuming and financially very costly. However, it is of great importance to diagnose the reason for the disease and then to treat it in a targeted manner in order to achieve a lasting therapy success. In general, antibiotics are rarely indicated in the context of an uncomplicated oral tooth extraction in the horse. The horses usually show an uncomplicated healing process. In the case of sinusitis, the use of antimicrobial drugs is more frequently indicated. Intensive perioperative monitoring of horses after surgical procedures on the head is essential to identify complications and side effects at an early stage so to adequately treat them immediately. If in individual cases antimicrobial therapy is necessary, its usage should be applied in the light of the current situation of multiresistent bacteria in human and veterinary medicine, wherever possible according to the results of antimicrobial sensitivity and resistance tests. If a therapy has to be started before these data are available, the frequent isolation of gram negative anaerobes in dental and sinus diseases of the horse and the critical resistance situation of these bacteria must be considered. Reserve antibiotics are not allowed as first choice drugs. When adhering to these principles, the antibiotic guidelines are helpful. In addition, specific, negative reactions of horses to certain antibiotics, which are not known in other species, must be observed.

Keywords
paranasal sinus, sinusitis, antibiotics, antimicrobial substances, resistances

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