Journal Club | Kleintiere 04.02.2014

Anwendung von Antibiotika bei Erkrankungen der Augenoberfläche von Hunden und Katzen

Vor dem Einsatz von Antibiotika bei Erkrankungen der Augenoberfläche sollten ihre Vor- und Nachteile im Einzelfall abgewogen werden.

Die Oberfläche des Auges ist mit natürlichen Mikrobiota besiedelt. Antibiotika werden an der Augenoberfläche von Hunden und Katzen prophylaktisch, insbesondere prä- und postoperativ, oder therapeutisch eingesetzt. Konjunktivitis und Keratitis zählen zu den primären bakteriellen Infektionen der Augenoberfläche. Bei Hunden und Katzen sind jedoch insbesondere sekundäre Augeninfektionen von Bedeutung. Das vorgestellte Review bietet einen Überblick über Mikrobiota am Auge und ophthalmologisch eingesetzte Antibiotika. Bei der physiologischen Flora der Augenoberfläche dominieren grampositive Bakterien, insbesondere Staphylococcus spp., die trotz ihrer Rolle als Kommensalen ernsthafte Erkrankungen auslösen können. Ein hochgradiger Keimgehalt und der Nachweis potenzieller Virulenzfaktoren sind Indizien für die ursächliche Bedeutung nachgewiesener Erreger. Bakterio­statische und bakterizide Antibiotika sollten nicht gleichzeitig angewendet werden, da sie sich in ihrer Wirkung beeinflussen können. Bei immunsupprimierten Patienten sollten bakterizide Antibiotika verwendet werden. Um die physiologische Flora weniger zu stören, empfiehlt sich die Verwendung von Antibiotika mit möglichst schmalem Wirkungsspektrum. Spätestens bei einem Wechsel des Antibiotikums aufgrund von Therapieversagen ist ein Antibiogramm zwingend erforderlich. Die Proben hierzu sollten ohne Lokalanästhetikum entnommen werden, da dieses die Bakterien hemmen und zu falsch negativen Ergebnissen führen kann. Insbesondere zu Therapiebeginn sind eine hohe Dosierung und häufige Applikation empfehlenswert. Salben haben eine längere Verweildauer und Einwirkzeit, sind bei unkooperativen Tieren aber schwerer zu verabreichen. Sind die Tränengänge betroffen, sollten Tropfen vorgezogen werden. Bei einer Kombination aus Salbe und Tropfen werden zuerst die Tropfen und, nach einer Pause, anschließend die Salbe verabreicht.
Auch mögliche unerwünschte lokale und systemische Wirkungen von Antibiotika sollten bei deren Auswahl berücksichtigt werden. Fenicole, Tetrazykline, Makrolide und Fusidinsäure sind bakteriostatische Antibiotika, die an der Augenoberfläche Anwendung finden und die Proteinbiosynthese von Bakterien hemmen. Chloramphenicol besitzt ein breites Wirkungsspektrum und wirkt auch gegen Chlamydophile, Mykoplasmen und Anaerobier. Fenicole sollten nicht mit Makroliden kombiniert werden. Bei der Resistenzlage von okulären Mikroorganismen gegenüber Chlortetracyclin und Oxytetracyclin ist von geografischen Unterschieden auszugehen. Bei Katzen ist die topische Applikation von Tetrazyklinen der systemischen Applikation von Doxycyclin unterlegen. Die Makrolide Azithromycin und Erythromycin werden beim Kleintier nur selten topisch eingesetzt. Fusidinsäure besitzt ein schma­les Wirkungsspektrum gegen grampositive Bakterien, insbesondere gegen Staphylokokken, jedoch keine ausreichende Wirkung gegen Chlamydophile bei Katzen. Zu den bakteriziden Antibiotika, die am Auge angewendet werden, gehören N-Lactame, Aminoglykoside, Polypeptide, Bacitracin und Fluorochinolone. β-Lactame wirken in erster Linie gegen grampositive Bakterien. Insbesondere bei topischer Anwendung zeigen sie ein hohes Allergiepotenzial. Aminoglykoside besitzen ein breites Wirkungsspektrum. Gentamycin wirkt insbesondere gegen gramnegative Erreger. Es diffundiert in das Kammerwasser und sollte daher bei Hornhaut- und Skleradefekten nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Kanamycin besitzt das geringste retinatoxische Potenzial der Aminoglykoside nach intraokulärer Injektion bei Kaninchen und ist auch beim Menschen gut verträglich. Eine Kombination mit Polymyxin B und Gramicidin führte in vitro an Hornhautepithelien von Hunden zu zytopathologischen Veränderungen. Die Polypeptide Polymyxin B, Colistin, Bacitracin und Gramicidin werden nur lokal angewendet. Die intraokuläre Injektion von Polymyxin B kann Katarakt auslösen. Bacitracin und Gramicidin wirken gegen grampositive Erreger. Neomycin, Polymyxin B, Colistin, Bacitracin und Gramicidin stehen im Verdacht, anaphylaktische Reaktionen bei Katzen auszulösen. Fluorochinolone besitzen ebenfalls ein breites Wirkungsspektrum. Ciprofloxacin besitzt eine starke Toxizität an Korneazellen und sollte daher nicht bei Kornealäsionen angewendet werden. Enrofloxacin kann bei systemischer Applikation bei Katzen retinotoxisch wirken. Vor ihrem Einsatz an der Augenoberfläche sollten die Vor- und Nachteile von Antibiotika für den Einzelfall abgewogen werden.

Schumann A, Büttner J, Eule JC (2013): Anwendung von Antibiotika bei Erkrankungen der Augenoberfläche von Hunden und Katzen. Kleintierprax 58: 341–352.