Pferd | Allergie 11.05.2020

Ausgegnitzt! Hypersensitivität gegen Culicoides beim Pferd therapieren

Gnitzen sind nicht nur eine Plage, sondern für hypersensitive Pferde ein echtes Problem. Spezifische Immuntherapien können helfen.

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Foto: Petra Eckerl - stock.adobe.com

Gleichgewichtsstörung im Immunsystem
Die Sensibilisierung gegen die im Gnitzen-Speichel enthaltenen Proteine geht auf eine Verschiebung des Gleichgewichtes zwischen der Th2-Antwort einerseits (I) und der Treg/Th1-Antwort anderseits (K) zurück. Es kommt zu einer IgE-vermittelten Typ-1-Reaktion mit Aktivierung von Mastzellen, gefolgt von einer Spätphasenreaktion mit Infiltration von Lymphozyten und Eosinophilen. Das von Th2-Zellen produzierte Interleukin 5 (IL-5) stimuliert die Eosinophilen zur Freisetzung von Leukotrienen und anderen Botenstoffen, die ihrerseits Mastzellen und Basophile anregen – ein Teufelskreis der allergischen Entzündung. Die Entgleisung bietet aber mehrere Angriffspunkte, die sich für eine Immuntherapie nutzen lassen.

Hyposensibilisierung
Außerhalb der Saison kann eine Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT) das Pferd hyposensibilisieren. Der Mechanismus ist wie folgt: Durch Exposition mit Allergen lassen sich IgG4-Antikörper induzieren, die die Bindung von Allergen-spezifischen IgE an die Allergene blockieren. Außerdem wird die Produktion von IL-4 und IL-5 gedrosselt und die Zahl regulatorischer Zellen (Tregs und Bregs) gesteigert, die ihrerseits die antiinflammatorischen Zytokine IL-10 und TGF-ß ausschütten. Da inzwischen 27 Gnitzen-Speichelproteine rekombinant erzeugt werden können, lassen sich die benötigten Allergene individuell angepasst und in wirksamen Konzentrationen herstellen.

Therapeutische Vakzine gegen IL-5
Ist die allergische Entzündung bereits eingetreten, kann mittels einer synthetischen Vakzine, in der IL-5 an immunologisch optimierte Virus-like Particles gekoppelt wurde, eine polyklonale Immunantwort des Pferdes gegen IL-5 induziert werden, wodurch die Zahl der Eosinophilen im Blut der Pferde signifikant abnimmt und der Teufelskreis der Entzündung durchbrochen werden kann. Die Grund­immunisierung beinhaltet drei Impfungen, danach reicht ein jährlicher Booster. Weitere Vakzinen mit ähnlicher Rationale sind in der Erprobung.

Fazit
Bislang wurde keiner der vorgestellten Ansätze bis zur Zulassungsreife entwickelt, die Studien laufen noch. Aber die bisherigen Ergebnisse lassen ein hohes Potenzial erkennen, dass diese Ansätze tatsächlich helfen können. Dann kann endlich jedes Pferd der Gnitze unbeschwert die Kruppe zuwenden.
CHristiane Fetzer 

Details zur Studie lesen Sie hier.