Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 12.05.2020

Authorization of animal research projects – a comparison of harm concepts in the Swiss Animal Welfare Act and the European Directive 2010/63/EU

Projektevaluierung im Tierversuch – ein Vergleich des Schadensprinzips zweier verschiedener gesetzlicher Regu­lierungen in Europa

Summary
Meeting the professional responsibilities of veterinarians in animal research has been described by the German Federal Chamber of Veterinary Surgeons ( Bundestierärztekammer, BTK) as a “special ethical challenge”. Veterinarians are involved in animal research, not only as researcher and animal welfare officers, but also as members of ethical review committees and as such require a unique set of skills to provide a wide range of services and practices.
Animal research in Europe is strictly regulated. The harm-benefit analysis (HBA) is one of the legal corner stones in project authorization and as such has to be carried out within a specific legal framework. Hence, veterinarians (and other members of ethical review committees) require an understanding of the normative foundation of animal research legislation in order to fulfill their role and responsibilities.
Against this background, it is the goal of this article (1) to introduce the rationale and role of the harm concept and the HBA in project evaluation of animal research. (2) We then outline the different harm concepts which the European and the Swiss legislation are based on and (3) elaborate on the moral significance that is given to different forms of harm within the HBA in these legal frameworks. (4) Last, we demonstrate potential practical implications of these conceptually different normative frameworks for project evaluation in animal research with the practical example of genetically disenhancing the ability of rodents to feel pain and to suffer.

Keywords
Animal research regulation, harm-benefit analysis, regulatory ethics, animal research ethics, (non-)sentientism

Zusammenfassung
Die Erfüllung der verschiedenen beruflichen Verantwortungen von Tierärzten in der Tierversuchsforschung wurde von der Bundestierärztekammer (BTK) als „besondere ethische Herausforderung“ bezeichnet. Denn Tierärzte sind in der Tierversuchsforschung nicht nur als Forscher und Tierschutzbeauftragte involviert, sondern auch als Mitglieder von Ethikkommissionen und benötigen daher eine Vielzahl von Fähigkeiten, um eine breite Palette von Dienstleistungen ausführen zu können.
Tierversuche sind in Europa strikte reguliert und die Schaden-Nutzen-Analyse (SNA) als einer der rechtlichen Eckpfeiler der Projektgenehmigung muss innerhalb eines bestimmten, vorgegebenen rechtlichen Rahmens durchgeführt werden. Tierärzte (und andere Mitglieder von Ethikkommissionen) benötigen daher ein Verständnis der normativen Grundlagen der Tierversuchsgesetzgebung, um ihre Rolle und Verantwortung adäquat erfüllen zu können.
Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieses Artikels, (1) die Grundlage und Funktion des Schadenskonzepts und der SNA bei der Projektevaluierung zu erläutern. (2) Des Weiteren skizzieren wir die verschiedenen Schadenskonzepte, auf denen die europäische und die schweizerische Gesetzgebung basieren, und (3) diskutieren die moralische Bedeutung, die innerhalb dieser unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen den verschiedenen Arten von Belastungen in einer SNA beigemessen wird. (4) Zuletzt zeigen wir mögliche praktische Implikationen dieser konzeptionell unterschiedlichen normativen Rahmenbedingungen für die Projektevaluierung am praktischen Beispiel des genetic disenhancements bei Nagetieren zur Verminderung der Fähigkeit, Schmerzen zu fühlen und leiden zu können.

Schlüsselwörter
Tierversuchsregulierung, Schaden-Nutzen-Analyse, regulatorische Ethik, Ethik des Tierversuchs, (Non-)Sentientismus

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