Rohfütterung | Hund und Katze 02.12.2019

Resistente Keime, Nährstoffmangel, Parasiten – ist BARF zu empfehlen?

BARF-Menüs sind nicht immer unbedenklich, wie verschiedene Studien zeigen. Eine eingehende Beratung von Besitzern ist unbedingt angebracht. Doch was raten?

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Näher zur Natur, vitalitätsfördernd, gut für Magen-Darm-Trakt und Immunsystem. Obwohl es für den positiven Effekt von Rohfleischfütterung wenig wissenschaftliche Evidenz gibt, erfreuen sich Rohfleisch-basierte Rationen (englisch RMBD´s/BARF) bei Hunde- und Katzenhaltern einer großen und wachsenden Beliebtheit. Zwar gelten in der EU strenge mikrobiologische Richtlinien, jedoch wurde z. B. von der American Veterinary Medical Association immer wieder Sorge über die Keimbelastung sowie gesundheitliche Bedenklichkeit der Rohdiäten geäußert.

Was sagen Studien und Ernährungsexperten?
- resistente Keime: Eine aktuelle Schweizer Studie fand bei der Beprobung von 47 kommerziell erhältlichen RMBDs für 73 Prozent der Futterproben überschrittene EU-Richtwerte für Enterobakterien. 61 Prozent der Proben enthielten zudem resistente Enterobakterien. Zu großen Teilen waren dies Extended-Spectrum Beta-Lactamase-produzierende Keime. Des Weiteren konnten die Wissenschaftler in zwei Proben Salmonellen sowie E. coli mit dem Colistin-Resistenzgen mcr-1 nachweisen.

- Nährstoffe: In folgender Untersuchung wurde in etwa Dreiviertel der überprüften BARF-Rationen bei Hunden im Erhaltungsstoffwechsel entweder einen deutlichen Mangel oder einen Exzess an relevanten Nährstoffen gefunden. Bei kommerziellem Rohfutter konnte nur bei 8 von 36 untersuchten Produkten eine bedarfsdeckende und ausgewogene Nährstoffversorgung, wie durch die Deklaration versprochen, analysiert werden.

- Schlachtnebenprodukte: Mehrere Fallberichte zeigen, dass es bei der Verwendung einiger Schlachtnebenprodukte wie Leber (Vitamin A) oder Schlund mit anhaftendem Schilddrüsengewebe zu massiven Gesundheitsproblemen kommen kann. Weiterhin ist zu bedenken, dass sich die Verwertung einiger Mengenelemente durch die Gabe von bindegewebs- und / oder faserreicher Komponenten reduziert, d.h. die Versorgung muss in Fällen angepasst werden, in denen es zu einer erhöhten fäkalen Trockenmassenausscheidung kommt.

- Parasiten, Viren und Co : Rohe Produkte können mit Parasiten, Bakterien oder Viren belastet sein, die durch fehlende Erhitzung nicht inaktiviert werden. So können Tiere und Menschen gefährdet werden. Nicht nur falsche Lagerung und mehrmaliges Auftauen einzelner Rationsbestandteile können zu einem Gesundheitsrisiko führen. Auch Fertigprodukte sind oftmals bereits beim Kauf massiv belastet.

Hilft nur abraten?
Nein. "Insgesamt sollte man Tierhaltern nicht unbedingt rigoros von der Rohfütterung abraten, sondern sie lieber eingehend beraten. Eine gut durchdachte, vorsichtige Handhabung der Rationsherstellung nach einem passenden Rezept unter Einhaltung sämtlicher erforderlicher Hygienemaßnahmen kann erfolgreich sein und das Tier optimal versorgen", riet Ernährungsexpertin Dobenecker auf dem DVG-Kongress in Berlin.

Das European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) stellt Tipps zur Rohfleischfütterung zum Download bereit. Weitere Ratschläge erteilt auch die AVMA.