Journal Club 01.01.2011

Bedeutung feliner Caliciviren, feliner Herpesviren, feliner Immunschwächeviren, feliner Leukämieviren sowie von Bartonella henselae bei der chronischen Gingivostomatitis der Katze

Ätiologie: Feline Caliciviren sind häufig mit der chronischen Gingivostomatitis assoziiert, andere Erreger spielen eine untergeordnete Rolle.

Sowohl die Ätiologie als auch die Pathologie der häufig vorkommenden chronischen Gingivostomatitis bei der Katze ist bislang ungeklärt. Vermutet wird sowohl eine multifaktorielle Genese als auch eventuell eine gleichzeitig vorhandene unzulängliche Immunantwort der betroffenen Tiere.

Die Rolle des Vorkommens von Bakterienspezies wie Bacteroides species und Peptostroccus anaerobius und in letzter Zeit Bartonella henselae, aber auch von Viren wie dem felinen Calicivirus (FCV), dem felinen Immundefizienzvirus (FIV), dem felinen Leukämievirus (FeLV) und dem felinen Herpesvirus (FHV) wird bei der chronischen Gingivostomatitis diskutiert. Ziel der vorliegenden Studie war die Prävalenz von FCV, FHV, FeLV und Bartonella henselae bei Katzen mit chronischer Gingivostomatitis im Vergleich zu Kontrolltieren zu untersuchen. Einzig und allein FCV-RNA wurde signifikant häufiger bei Katzen mit chronischer Gingivostomatitis nachgewiesen als bei den Kontrolltieren (53,8 % versus 14,0 %). Demnach haben Katzen mit einer FCV-Infektion ein siebenfach erhöhtes Risiko an chronischer Gingivostomatitis zu erkranken. Ebenfalls waren Antikörper gegen FCV signifikant häufiger als bei den Kontrolltieren nachzuweisen. Eine Koinfektion von Felinen Caliciviren und einer FIV-Infektion zeigt keinen signifikanten Unterschied zwischen Tieren mit chronischer Gingivostomatitis und Kontrolltieren. Assoziiert mit der chronischen Gingivostomatitis waren ebenfalls vergrößerte Lymphknoten, Neutrophilie mit und ohne Linksverschiebung, Hyperglobulinämie und Azotämie. Keine signifikanten Unterschiede ergaben sich in Bezug auf das Alter, Rasse, Geschlecht, Impfung oder Haltungsbedingungen. Diese Ergebnisse lassen den Rückschluss zu, dass Feline Caliciviren häufig mit der chronischen Gingivostomatitis in Zusammenhang stehen und die anderen untersuchten Viruserkrankungen der Katze eine eher untergeordnete Rolle spielen. Möglich ist, dass persistierende FCV-Infektionen zu abweichenden und unzulänglichen Immunantworten auf Virus-infizierte Zellen in der Maulhöhle führen. Auch die antigenetische Variation der Caliciviren könnte eine Umgehung der Immunantwort zur Folge haben und zu der chronischen Gingivostomatitis führen.

(Quelle: Belgard S, Truyen U, Thibault JC, Sauter-Louis C, Hartmann K (2010): Bedeutung feliner Caliciviren, feliner Herpesviren, feliner Immunschwächeviren sowie von Bartonella henselae bei der chronischen Gingivostomatitis der Katze. Berl Münch Tierärztl Wochenschr 123: 369—376.)

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