Der Praktische Tierarzt 31.01.2018

Beschäftigungsmaterial – eine Möglichkeit zur Reduktion von „Beschädigungspicken“ bei Mastputen mit unkupierten Schnäbeln?

Enrichment device – a way to reduce injurious pecking in fattening turkeys with intact beaks?

Zusammenfassung
Sowohl in der ökologischen als auch in der konventionellen Mastputenhaltung stellen Hackverletzungen, d. h. Wunden, die von Artgenossen durch Schnabelschläge zugefügt wurden, eines der Hauptprobleme dar. Beschäftigungsmangel gilt als eine der Ursachen für diese auch als „Beschädigungspicken“ bezeichnete unerwünschte Verhaltensweise. Vor diesem Hintergrund wurde in drei Mastdurchgängen der Einfluss von unterschiedlichen Beschäftigungsmaterialien auf die Prävalenz von Hackverletzungen bei Mastputen mit intakten Schnäbeln untersucht. Die Haltung der Puten erfolgte unter praxisüblichen Bedingungen. Im Vorversuch mit 204 Putenhähnen und 328 Putenhennen der Putenherkunft B.U.T. 6 erfolgte die Haltung in acht Abteilen, in denen allen Gruppen mit Heu gefüllte Drahtkörbe als Beschäftigungsmaterial angeboten wurden. Die vier Versuchsgruppen zur Überprüfung des Effektes einer angereicherten Haltungsumwelt auf die Prävalenz von „Beschädigungspicken“ erhielten ab der zweiten Lebenswoche zusätzliches Beschäftigungsmaterial (Pickblöcke, Weizenextrudat, Knäckebrot, mit Weizenkörnern gefüllte Futterspender), das zweimal wöchentlich gewechselt wurde. Videobeobachtungen wurden verwendet, um die Nutzung des Beschäftigungsmaterials auszuwerten. Zusätzlich wurden Leistungs- und Gesundheitsparameter erfasst. Alle angebotenen Beschäftigungsmaterialien wurden von den Puten sehr gut genutzt. Pickblöcke und Futterspender wurden häufiger frequentiert als Weizenextrudat und Knäckebrot, die nur bedingt geeignet waren.
In den beiden Durchgängen des Hauptversuches wurden jeweils 600 Putenhähne der Herkunft B.U.T. 6 in sechs Abteilen als Eintagsküken eingestallt. Jedes Abteil war mittig durch eine Trennwand unterteilt, die einen Durchgang aufwies. Ab dem zehnten Lebenstag wurden als Beschäftigungsmaterial Futterspender angeboten. Ansonsten entsprachen die Haltungsbedingungen (Besatzdichte, Lichtprogramm, Fütterung) denen des Vorversuches. Die Auswertungen zeigten, dass die Nutzung der Futterspender individuell stark differierte (1. Quartil: 7,0 s; Median: 15,0 s; 3. Quartil: 41,0 s; Max: 21,4 min, n = 3307). Gleichzeitig verringerte sich mit zunehmender Verwendung der Weizenspender die Zahl der Tiere signifikant, die von Artgenossen durch Schnabelschläge verletzt wurden. Das Angebot von manipulierbarem Beschäftigungsmaterial kann als geeignete Maßnahme zur Reduktion der Reizarmut in der Mastputenhaltung angesehen werden. Ein Effekt auf die Vermeidung von „Beschädigungspicken“ war jedoch nicht durchgehend erzielbar. Gegenwärtig sind die Kenntnisse über potenzielle Auslöser dieses unerwünschten Verhaltens noch nicht ausreichend. Eine Haltung von nicht schnabelgekürzten Puten birgt zurzeit ein gewisses Risiko für durch Artgenossen zugefügte Verletzungen, die primär die Haut und ihre Anhangsorgane betreffen, aber auch tiefer liegende Gewebe in Mitleidenschaft ziehen können.

Schlüsselwörter
Putenhaltung, Hackverletzungen, Anreicherung der Haltungsumwelt, Tierschutz

Summary
Injurious pecking is one of the main issues in commercial and organic turkey fattening. It is not yet completely understood why this behavioral disorder occurs. A lack of preoccupation is considered as one of the causes of this undesirable behavior. Therefore, the aim of this study was to investigate the influence of enrichment device on injurious pecking behavior of non-debeaked fattening turkeys. The described investigation included three trials, which were run under common husbandry conditions. In a pilot trial, 328 female and 204 male turkeys of the line B.U.T. 6 were kept in eight separate floor pens. All turkeys in this trial had access to a wire basket filled with hay. Half of the observed animals had additionally access to other materials (pecking block, wheat grain feeder, extruded wheat grain, crisp bred) as environmental devices from their second week of age, which were changed twice a week. Video observation was used to evaluate the turkey’s behavior towards the enrichment devices. Furthermore performance and health data were documented. All of the offered materials were used by the turkeys whereby pecking blocks and wheat grain feeders were used more frequently compared to crisp bred and extruded wheat grain that were suitable only to a limited extend.
In each of the two trials of the main experiment 600 male day-old B.U.T. 6 turkeys were allocated to six pens. Each of those six pens was divided into two areas, which were connected with a passage. At the age of ten days wheat grain feeders were offered as enrichment devices. Apart from them, housing conditions (stocking density, light program, feeding) were identical to those in the pilot trial. The results showed that the use of wheat grain feeders differed strongly individually (1st quartile: 7.0 s; median: 15.0 s; 3rd quartile: 41.0 s; max: 21.4 min; n = 3307). At the same time the number of injured turkeys through pecking was reduced significantly with the increasing use of wheat grain feeders. The offered enrichment devices can be seen as tools to make the environment more attractive for fattening turkeys. However these environmental devices could not stop injurious pecking behavior fully in every case. Therefore, further research is needed to understand the cause for this behavioral disorder. Currently proper housing of non-debeaked turkeys seems difficult to achieve. The main risks are injuries of the integument and its appendages as well as of the underlying tissues due to injurious pecking by flock members.

Keywords
turkey management, injurious pecking, environmental enrichment, animal welfare

Downloadartikel

Kostenloser Download für Abonnenten!

Sie sind noch kein Abonnent? Hier können Sie sich registrieren.

Weitere Informationen zum Beitrag

© Schlütersche Verlagsges