Journal Club 10.12.2008

Besonderheiten der Sedierung und Narkose bei Eseln

Pharmakologie: In der Praxis werden häufig einfach Dosierungen vom Pferd auf den Esel übertragen. Das ist nicht immer sinnvoll. Insbesondere bei der Sedierung und Narkose sind eine Reihe von Besonderheiten zu beachten. Da Esel ursprünglich Wüstentiere waren, ist ihre Anatomie und Physiologie an diese Situation angepasst. Daraus resultieren in der Pharmakokinetik und in der Pharmakodynamik Unterschiede im Bezug auf Pferde. Diese zeigen sich vor allem bei der Sedierung und Narkose. Esel sind sehr stoisch und zeigen Schmerzen erst recht spät. Daher muss immer an eine ausreichende Analgesie gedacht werden. Vor jedem Eingriff ist eine Blutuntersuchung angeraten. Dabei ist zu beachten, dass Esel im Bezug aufs Pferd weniger, dafür aber größere Erythrozyten besitzen.

Das Legen eines Venenverweilkateters ist aufgrund der anatomischen Verhältnisse schwieriger als beim Pferd, da der Musculus cutaneus colli wesentlich dicker ausgebildet ist. Die pharmakokinetischen Eigenschaften der NSAIDs, welche bei schmerzhaften Eingriffen empfohlen werden, sind sehr unterschiedlich. So werden Phenylbutazon und Flunixin-Meglumin schneller metabolisiert als beim Pferd und Carprofen langsamer.

Auch bei den gängigen Sedativa und Tranquilizern zeigen sich Unterschiede. Im Gegensatz zum Maultier jedoch wirken alle recht gut. Wissenschaftliche Belege fehlen noch, aber die Praxis hat gezeigt, dass verschiedene Eselarten unterschiedlich auf diese Stoffe reagieren. So ist bei kleinen Rassen bezogen auf das Körpergewicht mehr Sedativum von Nöten.

Die Autoren empfehlen für die Sedierung vor Eingriffen am stehenden Tier oder im Rahmen der Narkoseprämedikation folgende Kombinationen: Xylazin (0,6–1,0 mg/kg i.v. oder i.m.) oder Detomidin (0,01–0,02 mg/kg i.v. oder i.m.) mit Acepromazin (0,05–0,1 mg/kg i.v oder i.m) und mit Butorphanol (0,02–0,04 mg/kg i.v.) oder L-Methadon (0,1 mg/kg i.v).

Wird eine Distanzmobilisation angestrebt, so ist die Kombination von Etorphin und Acepromazin nur im äußersten Notfall angezeigt. Das Antagonisieren von Etorphin mit Diprenorphin kann zu starken Nebenwirkungen führen, da dieses von Eseln zu seinem aktiven Agonisten metabolisiert wird und somit zu einer erneuten tiefen Sedation führt.

Für die Narkoseeinleitung wird eine tiefe Sedation mit einem Alpha-2-Agonisten empfohlen (Xylazin 2,2 mg/kg i.v.). Danach erfolgt die Einleitung mit Ketamin (2,2 mg/ kg i.v.). Wird zusätzlich Butorphanol gegeben (0,01–0,02 mg/kg i.v.), kommt es zu einer besseren Sedierung und Analgesie. Die angestrebte Narkosetiefe lässt sich mit dieser Kombination ca.15 Minuten aufrechterhalten.

Bei Miniatureseln kann es sein, dass diese Dosierung nicht ausreicht um eine ausreichende Anästhesietiefe zu erreichen. Häufig kommt es zu starken Muskelspannungen bis hin zu Exzitationen. Für diesen Fall wird zusätzlich Midazolam (0,06 mg/kg i.v.) oder Diazepam (0,05 mg/ kg i.v.) empfohlen. Ebenso zeigt sich bei Anwendung von Tiletamin-Zolazepam (1,1 mg/kg i.v.) nach einer Sedierung mit Xylazin und Butorphanol eine gute Anästhesie. Dies ist vor allem bei Miniaturrassen zu empfehlen, kann aber auch bei etwas größeren Eselrassen gut angewendet werden.

Auch die Anwendung von Propofol (2,2 mg/kg i.v.) nach einer Sedation mit Xylazin ist möglich, um ein intubationsfähiges Narkosestadium zu erreichen. Wegen des Verlustes der Spontanatmung ist es jedoch für die Feldnarkose nicht geeignet. Ebenfalls beschrieben wird die Anwendung von Thiopental (5mg/kg i.v.) zur Induktion. Hiermit lässt sich durch Nachdosieren die Narkose für ca. 25 Minuten erhalten. Dabei muss die Atmung streng überwacht werden, da es in höheren Dosen schnell zu einem Atemstillstand kommen kann.

Wird eine Narkoseerhaltung mit Guaifenisin angestrebt, so ist Vorsicht geboten. Bereits nach 60 % der entsprechenden Pferdedosis verlieren Esel ihre Standfestigkeit. Bei der Kombination von Guaifenisin mit Ketamin muss bedacht werden, dass Ketamin beim Esel schneller metabolisiert wird als beim Pferd. Aus diesem Grund muss der klassische „Triple-Dip“ (Xylazin, Ketamin, Guaifenisin) modifiziert werden. So sollten auf einen Liter 3 %iger Guaifenisinlösung 3g Ketamin und 500 mg Xylazin gegeben werden. Für die Narkoseerhaltung sollte mit einer Geschwindigkeit von 1,5–3 ml/kg/h infundiert werden.

Auf die gebräuchlichen Inhalationsgase (Halothan, Isofluran) reagieren Esel ähnlich wie Pferde. Der MACWert liegt für Halothan bei 0,9 Vol % und für Isofluran bei 1,4 Vol. %. Eine Dauertropfinfusion von Alpha-2-Agonisten oder Ketamin ist möglich um das Inhalationsanästhetikum im Verbrauch zu senken.

Es besteht die Möglichkeit, die Narkose über eine Maske einzuleiten. Der orotrachealen oder nasotrachealen Intubation wird jedoch der Vorzug gegeben. Aufgrund des im Kehlkopf vorhandenen Blindsackes gestaltet diese sich jedoch etwas schwieriger als beim Pferd.

Die Aufwachphase verläuft bei gut analgesierten Eseln in der Regel langsamer und ruhiger als beim Pferd. Sollte es Probleme mit der Atmung geben, so wird eine späte Extubation emphohlen.

(Quelle: K. Hopster, Ch. Iversen und B. Ohnesorge (2008): Nicht nur Pferde mit langen Ohren – Sedierung und Narkose bei Eseln: Pferdespiegel 23 (3), S. 104–106.)

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