Strahlentherapie | multimodale Schmerzbehandlung 17.01.2018

Bestrahlung hilft nicht nur Krebspatienten

Bei der schottischen Faltohrkatze führen vererbte Knorpeldefekte zur schmerzhaften Osteochondropdysplasie. Ein neuer frei zugänglicher Übersichtsartikel zeigt, wie diesen Tieren geholfen werden kann.

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Foto: Eric Isselée - Fotolia.com

Vertreter der aus Großbrittanien stammenden Katzenrasse "Scottish Fold" haben nach vorn gefaltete Ohren. Ursache dafür ist eine autosomal-dominant vererbte stabile Mutation, die generalisierte Knorpeldefekte bedingt. Diese führt jedoch nicht nur zu einem Abknicken der Ohren, sondern kann durch eine gestörte enchondrale Ossifikation auch Wachstumsstörungen und durch erhöhte Aktivität der Osteoblasten in den Metaphysen Knochenzubildungen bedingen. Im weiteren klinischen Verlauf kann es zu einer vollständigen Ankylosierung der Gelenke kommen.

Bereits junge Katzen zeigen Symptome wie Lahmheit und Belastungsintoleranz und haben mitunter steife Gliedmaßen - chronische Schmerzen können die Folge sein. Um das Leben von Tieren mit solchen degenerativen Gelenkveränderungen zu verbessern, ist laut den Experten der Initiative für Schmerztherapie ITIS ein multimodaler Behandlungsansatz erforderlich. Dies gilt auch für Hunde und Katzen mit Arthrosen und Tumorschmerz.

Wie behandeln?
Neben der pallitativen Behandlung mit Medikamenten (NSAID´s, Glykosaminglykane, Chondroitinsulfat), einer Anpassung der Lebensbedingungen an die veränderten Bewegungsmuster (z. B. Rampen) oder einem chirurgischen Vorgehen (Panarthrodese) ist die Strahlentherapie in geringen Dosierungen eine weitere Möglichkeit, die bisher nur selten genutzt wird. Zwar kann sie degenerative Prozesse nicht aufhalten, sie reduziert aber Schmerzen und schenkt den Tieren mehr Lebensqualität.

Wie soll das funktionieren?
Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass biochemische Reaktionen auf zellulärer Ebene Entzündungsreaktionen im Gewebe reduzieren. Da die eingesetzte Strahlendosis bei degenerativen Gelenkerkrankungen mit 0,5-1Gy sehr gering ist, treten kaum Nebenwirkungen auf, allerdings müssen die Tiere in Kurzeitnarkose gelegt werden. Die Erfolgsquoten sind gut: 70-80 Prozent der Hunde sprechen auf eine Strahlentherapie an.

Lesen Sie mehr über den "Einsatz der Strahlentherapie zur Schmerzbehandlung bei Hund und Katze" in unserem frei zugänglichen Artikel von Autorin Nina Eberle. Darin finden Sie auch Beispiele für konkrete Behandlungsprotokolle.

Initiative tiermedizinische Schmerztherapie

ITIS ist ein Fachgremium, besetzt mit führenden Spezialisten für veterinärmedizinische Schmerztherapie. Die Experten rund um die Professorinnen Michaele Alef, Sabine Kästner, Heidrun Potschka und Sabine Tacke sowie Dr. Julia Tünsmeyer setzen sich für ein optimales Schmerzmanagement bei Haus- und Nutztieren ein. Zurzeit wird ITIS unterstützt von den Sponsoren Boehringer Ingelheim, CP-Pharma, Elanco, Merial, Royal Canin, Vétoquinol, WDT Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte eG  und Zoetis. Die Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG ist ein Partner der ITIS.