Norwegen | Reisebericht 29.01.2019

Besuch am Nordkap

Schlittenhunde live zu erleben und die Besonderheiten über sie zu erfahren, ist ein Abenteuer wert.

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Foto: Jennifer Strangalies

Extreme Leistungsbereitschaft, unermüd- liche Ausdauer und hohe Kältetoleranz – all das macht den Schlittenhund aus. Doch wie machen diese vierbeinigen Extremsportler das bloß? Einblicke gaben der Zoologe Martin Fischer und Tierärztin Alexandra Keller bei einem Besuch auf einer Schlittenhund-Farm in Norwegen. Auch wir hatten das Glück, dabei sein zu dürfen.

Die besonderen Hochleistungssportler
Senja in Nord-Norwegen: An diesem magischen Ort hielt Prof. Martin Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena einen Vortrag über die physiologischen Besonderheiten dieser faszinierenden Tiere. Im Durchschnitt laufen Schlittenhunde 32 km/h und können das Tempo über zwei bis drei Stunden halten. Ein trainierter Schlittenhund steigert seinen Energieumsatz während der Rennsaison um das Zwölffache. Der Kalorienverbrauch kann hierbei auf unglaubliche 14.000 kcal/Tag ansteigen. Dass den Tieren nicht die Puste ausgeht, liegt daran, dass Schlittenhunde rein auf ihre Ausdauer und nicht auf äußere Merkmale gezüchtet sind. Eine Anpassung des Organismus ist laut Fischer also auf allen Ebenen notwendig. Neben einer Vermehrung der Mitochondrien, einer gesteigerten Mikrovaskularisation im Muskel und einer Zunahme des Muskelfaserdurchmessers ist die große Besonderheit, dass der Fasertyp IIb fehlt und anstelle dessen ein Fasertyp IIx vorliegt. Diese Fasern kontrahieren schnell und kraftvoll, zudem ermüden sie viel langsamer als Typ IIb.

Multimodaler Therapieansatz
Schlittenhunde haben selten Probleme mit den Gelenken, es treten eher Erkrankungen der Muskulatur, Bänder und Sehnen auf. Auch Verletzungen an den Pfoten stehen bei den Schlittenhunden neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen an vorderster Stelle. Bei der Therapie muss der multimodale Ansatz im Vordergrund stehen. Neben der Schulmedizin und manuellen Therapieformen kommen auch biologische Arzneimittel zum Einsatz, welche vor allem in der Wettkampfphase von Bedeutung sind. Nicht zu vergessen ist die Massage nach dem Training – das ist das A und O, so Dr. Alexandra Keller, Fachtierärztin für Chiropraktik aus Frankfurt am Main.

Mehr als nur Sport
Musher und Züchter Jonny der Schlittenhunderanch Ispoten gestattete dem Besucherteam einen Einblick in die Arbeit und das Leben der über 20 Siberian Huskys. Schnell wurde klar, wie viel Power und Energie in diesen hochmotivierten Tieren steckt. Dennoch zeigen sich die Hunde neugierig und näherten sich sanft. Alexandra Keller nutzte die Chance, um einige der Hunde orthopädisch zu untersuchen, und zieht ein Fazit: Schlittenhundesport ist mehr als nur Sport, er ist eine Leidenschaft – und die Betreuung der Tiere ist und bleibt eine Herausforderung sowohl für den Musher als auch für den Tierarzt.

Mein herzlichster Dank geht an Heel Vet und Ammersee Communication für dieses unvergessliche Erlebnis. Jennifer Strangalies