COVID-19 | aktuelle Lage 19.03.2020

Coronapandemie: Ausgangssperre auch für Tiere?

Ausnahmezustand! Tierhalter fragen sich, was bei einer Ausgangssperre mit ihren Vierbeinern passiert. Und: Müssen Medikamente gehamstert werden? Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Lage in Deutschland und Österreich.

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Foto: Spectral Design – Fotolia.com

  • Auch Tierheime schließen ihre Pforten, sind aber weiter telefonisch erreichbar. 
  • Hunde dürfen ausgeführt, Pferde bewegt werden. 
  • Ställe und Tierärzte bitten darum, Verhaltensregeln und Hygienevorschriften einzuhalten. 
  • Lieferengpässe für Medikamente gibt es derzeit nicht.  
  • In den sozialen Netzwerken finden sich viele freiwillige Helfer. 

Das weltweit grassierende Coronavirus hat enorme Auswirkungen auf unser aller Leben. Ausgangssperren wurden in vielen europäischen Ländern bereits verhängt, weitere werden folgen. Social Distancing, also die Reduktion der Sozialkontakte, hat sich bisher als wirksame Waffe gegen die rasante Verbreitung des neuartigen Virus erwiesen. Für Menschen bedeutet das Homeoffice, Abende zu Hause am Sofa und Yogaunterricht via Live-Stream. Doch welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf unsere Haustiere? 

Derzeit: Kein Ansturm auf Tierheime 

Zunächst muss noch einmal betont werden, dass laut Welttiergesundheitsorganisation (OIE) kein Infektionsrisiko von Haustieren ausgeht. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass wir Meldungen, wonach Tierheime einen wahren Ansturm erleben, weil immer mehr Menschen ihre Haustiere aus Angst vor einer Coronavirusinfektion abgeben, noch nicht bestätigen können. Die Nachfrage in mehreren Tierheimen hat ergeben, dass diese bisher keinen Anstieg an Abgabetieren verzeichnen. Auch gibt es keine Zunahme von ausgesetzten Tieren, heißt es zum Beispiel aus dem TierQuartierWien, das verlassene, ausgesetzte oder entlaufene Tiere aufnimmt. 

Was jedoch zunimmt, sind die Anfragen von Menschen, die sich etwa aufgrund von Heimarbeit und gleichzeitiger Kinderbetreuung mit der Betreuung ihrer Haustiere überfordert sehen. „In diesem Fällen vermitteln wir Kontakte zu Tierpensionen, da es sich ja um eine Übergangslösung handelt und die Tiere nicht generell abgegeben werden sollen“, erklärt Nina Zesar vom Tierschutzkompetenzzentrum Klagenfurt (Kärnten). Die Tierrettung, die im ganzen Bundesland tätig ist, wäre aber für den Extremfall gerüstet ebenso wie die Tierheime. Ebenso bereiten sich Tierheime darauf vor, Tiere von Erkrankten aufzunehmen. Aus Sicherheitsgründen haben fast alle Tierheime in Deutschland und Österreich die Tiervermittlung bis auf Weiteres eingestellt, sind aber weiter telefonisch erreichbar. Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass die fehlende Vermittlung von Tieren und die ausbleibenden Spendengelder Tierheime vor ernsthafte Herausforderungen stellen wird.  

Wichtig: 

  • Bitte gebt keine Tiere ab, weil Ihr Angst habt, Euch anzustecken. 
  • Beachtet, dass die meisten Tierheime weiter Tiere vermitteln, dafür gibt es in der Regel Termine. 
  • Wer helfen möchte, kann sich hier informieren.

Ausgangssperre! Und mein Tier? 

Was passiert, wenn in Deutschland, so wie in Österreich, die Ausgangssperre verhängt wird? Wie Kollegen aus unserem Nachbarland berichten, sind zahlreiche Hundebesitzer und Pferdehalter verunsichert. Was bedeutet das für die täglichen Spaziergänge oder Ritte mit ihren Vierbeinern? Zunächst sei gesagt, dass sowohl die Bewegung von Pferden als auch Spaziergänge mit den Hunden nicht nur erlaubt sind, sondern laut Bestimmungen des deutschen und österreichischen Tierschutzgesetzes sogar vorgeschrieben sind. Hierbei gilt allerdings, die von Reitvereinen und Ställen aufgestellten Regeln zu beachten.  

Spaziergänge sollten kürzer gehalten werden und der Sozialkontakt von Mensch zu Mensch auf ein Minimum reduziert sowie der empfohlene Sicherheitsabstand eingehalten werden. Dies trifft besonders auf Hundezonen, die noch besucht werden dürfen, zu. Menschen, die in Quarantäne sind, dürfen ihren Hund nur - falls vorhanden - in den eigenen Garten begleiten. Aus diesem Grund ist es dringend empfohlen einen Notfallplan für die Betreuung des Haustieres zu erstellen. „Alle Tierbesitzer sollten jemanden organisieren, der im Bedarfsfall das Tier versorgen kann“, rät Oliver Bayr vom Wiener Tierschutzhaus. Muss man in Quarantäne oder ist man gar zu krank, um das Tier zu versorgen, sollten schon entsprechende Schritte gesetzt worden sein. Etwa einen Zweitschlüssel hinterlegen, Angaben zur Fütterung besprechen und bei Tieren, die Medikamente oder Spezialfutter benötigen diese rechtzeitig in ausreichender Menge besorgen.  

Besitzer von sogenannten Listenhunden müssen hier aber besonders aufpassen. Denn diese dürfen – zumindest in Wien – nur von Menschen mit Hundeführschein ausgeführt werden. Über etwaige Ausnahmeregelungen müssen sich Besitzer bei der zuständigen Behörde informieren. Auch welche Hygienemaßnahmen bei der physischen Übergabe der Hunde durch Menschen in Quarantäne an den Tiersitter auszusehen hat, wird als Teil der Bescheid-Auflage im Einzelfall bestimmt.) 

Medikamente: Gibt es Engpässe?  

Folgendes Statement steht auf der Seite des Bundesverbandes für Tiergesundheit e.V. :

Hersteller von Tierarzneimitteln haben routinemäßig detaillierte Pläne für die Geschäftskontinuität und arbeiten intensiv mit Lieferanten zusammen, um sicherzustellen, dass Tierarzneimittel zum Schutz der Gesundheit und des Wohlergehens der Tiere in Deutschland weiterhin verfügbar sind. 

Bisher liegen keine Informationen über Lieferausfälle zu Wirkstoffen oder Tierarzneimitteln in Deutschland vor. Wir ermutigen Tierärzte, ihre normalen Bestellmuster beizubehalten, um einen angemessenen Bestand an Tierarzneimitteln aufrechtzuerhalten. In diesem Fall sollten keine zusätzlichen Bestände erforderlich sein.  

Der Bundesverband für Tiergesundheit ist im Austausch mit den für Tierarzneimittel zuständigen Bundesoberbehörden (BVL und PEI), die über etablierte Mechanismen zur Behandlung von Versorgungsproblemen verfügen, die von Zeit zu Zeit auftreten.  

Die Auswirkungen der Epidemie mit dem neuartigen Corona-Virus werden weiter beobachtet und analysiert. Wir empfehlen Tierbesitzern auch, den Rat ihres Tierarztes zu befolgen: den Zeitpunkt von Impfungen mit ihrem Tierarzt zu besprechen und diejenigen, deren Tiere in einer Langzeitbehandlung sind, zu drängen, rechtzeitig bei ihrer Tierarztpraxis die notwendigen Tierarzneimittel verschreiben zu lassen.   

Gassi, Einkäufe, Tierarztbesuch – Nachbarschaftshilfe 

Gerade in diesen Zeiten ist es ganz wichtig zusammenzuhalten. Möglicherweise gibt es in der Nachbarschaft ältere Menschen, die Hilfe mit ihrem Hund benötigen. Oder es ist gar jemand im Bekannten- oder Familienkreis in Quarantäne. Hilfe anzubieten dauert nicht lange und ist kein großer Aufwand. Es gibt auch Initiativen, die Betroffenen hilft, etwa die Facebook-Gruppe Freiwillige Coronahilfe Deutschland oder die Notfall Tierbetreuung Österreich, die vom Österreichischen Tierschutzverein ins Leben gerufen wurde.  

 Beschäftigung zu Hause 

Durch die Ausgangssperren verändert sich nicht nur das Leben der Menschen, auch für Haustiere sind sie ein Einschnitt. „Besonders die Veränderung von Routinen können für das Emotionalleben von Hunden aber auch Katzen eine Belastung darstellen“, erklärt Verhaltensexpertin Carina Kriegl. So finden die Gassigeh-Runden zu anderen Zeiten statt, um Stoßzeiten zu vermeiden, die Routen ändern sich, Sozialkontakte und etwaige Trainingseinheiten bleiben aus. „Es kann einen Hund auch stressen, wenn plötzlich alle immer zuhause sind. Er ist es möglicherweise gewohnt, dass er am Vormittag einmal vier Stunden alleine ist, sich ausruhen kann“, so die Tierärztin. Wenn es Katzen zuviel wird, ziehen sie sich zurück. Dadurch, dass Herrl oder Frauerl jetzt aber ständig verfügbar sind, interagieren sie natürlich mehr mit ihrem Samtpföter, spielen oder kuscheln öfter. „Das Problem könnte dann entstehen, wenn wieder Normalität einkehrt, die Katze dann zuzusagen auf Entzug ist. Da wäre es wichtig, die Katze langsam ans Alleinsein zu gewöhnen“, empfiehlt Carina Kriegl.

Wenn in nächster Zeit die langen Spazierrunden und das ausgelassene Herumtollen mit anderen Hunden ausfällt, sollten sich Hundebesitzer andere Beschäftigungen für ihren Vierbeiner überlegen.  Denn auch die geistige Anstrengung macht müde und fordert heraus. Dazu sind gar nicht ausgeklügelte Spielzeuge notwendig. Jeder hat Kartons, Tücher oder Klopapierrollen zuhause. Damit lassen sich tolle Futtersuch- oder Auspackspiele gestalten. So können Futterbrocken in der Wohnung – auf glatten Oberflächen, am Teppich, in Kartons, unter Tüchern – versteckt werden. Oder das Futter in Zeitungspapier einwickeln. Bei Eierkartons und Klopapierrollen die Enden zuklappen, damit diese zerlegt werden müssen, um ans Futter zu kommen.

Für mehr Ideen hier ein paar nützliche Links: