Diabetes mellitus | Hund 11.06.2019

Blutzuckermessung per Sensor − Vor- und Nachteile

Obwohl sich die kapilläre Blutzuckermessung bei tierischen Patienten häufig schwierig gestaltet, wurden in der Praxis kaum Alternativen erprobt. Ist das Glukosemesssystem Freestyle Libre als solche zu sehen?

 - 
Foto: Diagnostikzentrum für Kleintiere, Dresden

Hunde empfinden die Punktion des Ohres/Ballens zur Blutzuckermessung nicht immer als angenehm. Wenn sie ängstlich oder gar aggressiv reagieren, wird bei allen Beteiligten Stress ausgelöst, was die Werte verfälschen und eine gute Einstellung der Patienten erschweren kann. Neben der kapillären Blutzuckermessung gibt es kontinuierliche Blutglukosemesssysteme (CGMS). Dabei wird die interstitielle Glukose im Schnitt alle zehn Sekunden über die Unterhaut mit einem Sensor gemessen und alle fünf Minuten automatisch durch einen gerätespezifischen Monitor aufgezeichnet. 2014 kam in der Humanmedizin das Flash-Systems Freestyle Libre (FGMS) auf den Markt. Im Gegensatz zu den vorigen CGMS ist ein großer Vorteil des Symstems, dass das Gerät nich kalibriert werden muss. Zwar gibt es noch nicht viele Untersuchungen am Hund, folgende Anwendungshinweise können jedoch bereits festgehalten werden:

- Anbringung des Sensors: Erfolgt in Sedation an der seitlichen Thoraxwand. In der Regel ohne Probleme möglich, bei kleinen /sehr schlanken Hunden muss darauf geachtet werden, nicht die Rippen zu verletzen, Pflaster zur Befestigung kann Hautreaktionen hervorrufen (evtl. leichte Erytheme). Der Sensor ist 35 x 5 mm klein, wasserresistent und kann 14 Tage am Tier verbleiben.
- Messprinzip: Im Falle des Contour-XT-Glukosemessgerätes reagiert die Glukose mit dem FAD-Glukosedehydrogenase-Komplex und dem Mediator des Sensors, wodurch ein elektrischer Strom entsteht, welcher gemessen wird. Die Glukose, die mit dem FGMS gemessen wird, befindet sich in der Interstitialflüssigkeit. Veränderungen der Blutglukose zeigen sich im Vergleich zum Plasma langsamer. Das bedeutet, dass das Flash Glukosemonitorsystem nicht in der Lage ist, kurzfristige Schwankungen der Blutglukose zu detektieren. Die Messwerte weichen von den kapillären Messungen ab. Im Falle einer Hypoglykämie sollte der Messwert aufgrunddessen mit einem portablen, für den Hund zugelassenen Messgeräts überprüft werden. Vor allem am ersten Tag sind ungenaue Messwerte zu erwarten.
- Kostenfaktor: erschwinglich

Fazit: Das Flashsystem emöglicht (vor allem erfahrenen Klinikern) die regelmäßige Messung der Glukosekonzentration über 24 Stunden auf nicht-invasive, stressfreie Weise. Jedoch sollte unbedingt eine gute Beratung der Besitzer durchgeführt werden, damit diese mit der Vielzahl an Werten, die sie durch dieses Gerät erhalten, auch umzugehen wissen. Ungeklärt bleibt im Moment noch, wie genau das Gerät Phasen der Hypoglykämie und den Somogyi-Effekt erkennt.

Abonnenten der Kleintierpraxis können den vollständigen Artikel "Flash Glukosemonitorsystem – eine Alternative zur kapillären Blutzuckermessung " von Lisa Voigt in der aktuellen Ausgabe der Kleintierpraxis lesen. Ein weiterer Artikel zum Thema bei der Katze ist in der Juniausgabe von Der Praktische Tierarzt erschienen.