Journal Club 23.04.2018

Bursotomie septischer Bursa podotrochlearis

Bisher galten Bursotomien als wenig Erfolg versprechend für die weitere Nutzung des Pferdes. Eine neue, retrospektive Fallstudie an 19 Tieren zeigt hingegen positive Ergebnisse.

Ausgewertet wurden die Resultate von 19 Bursotomien, die aufgrund kontaminierter oder septischer Bursa podotrochlearis erfolgten. Einschlusskriterium war die ausschließliche Beteiligung der Bursa podotrochlearis. 15 der 19 Pferde zeigten seit sieben Tagen eine Lahmheit. Die Bursotomie wurde nach Richardson et al. durchgeführt. Dabei wurde unter Allgemeinanästhesie die Bursa durch die Ballengrube punktiert, dann von solear der Huf und die tiefe Beugesehne gefenstert und die Bursa eröffnet. Nach durchgeführtem Débridement wurde die Bursa durch den Ballenzugang gespült.

Intensive antimikrobielle Therapie
Die Pferde erhielten prä- und postoperativ Procain-Penicillin G, Gentamicinsulfat und Trimethoprim/Sulfonamid sowie zu Beginn der Operation eine intravenöse oder intraossäre Stauungsantibiose mit Gentamicinsulfat oder Amikacin-Sulfat, welche postoperativ wiederholt wurde. Zusätzlich erhielten die Tiere Phenylbutazon oder Flunixin-Meglumin. Die Wundfläche wurde mit antimikrobiellen Substanzen behandelt, der Huf mit einem Deckeleisen mit Bügel zur Hochstellung versorgt und verbunden. Die Verbände wurden regelmäßig gewechselt und in den nächsten zwei Beschlagsintervallen die Hochstellung reduziert. Schließlich erfragten die Studienleiter beim Besitzer oder Haustierarzt den Leistungsstand der Tiere nach Bursotomie.

Gute Resultate
Trotz der Chronizität der meisten Fälle wurden fast alle Patienten weitergenutzt. 16 Pferde (84,2 Prozent) kehrten zu ihrer ursprünglichen Leistung zurück. Drei Tiere arbeiteten auf niedrigerem Leistungsniveau oder waren lahmfrei auf der Weide.

Fazit der Fallstudie
Eine Bursotomie der Bursa podotrochlearis mit systemischer und lokaler antimikrobieller Therapie scheint geeignet zur effektiven Behandlung von kontaminierten oder septischen Bursitiden. Nachteilig gegenüber der Bursoskopie ist die eingeschränkte Sicht auf verletzte Strukturen. Dadurch ist das Débridement weniger gründlich, es kommt zu einem größeren Gewebeschaden und einer längeren Rekonvaleszenzzeit. Bei fehlendem Equipment oder mangelnder Erfahrung in der Bursoskopie, Fällen von chronischer Bursitis sowie Patienten mit geringem Leistungsniveau kann die Bursotomie eine therapeutische Alternative sein.
Jeanette Probst

Originalpublikation:
Suarez-Fuentes DG, Caston SS, Tatarniuk DM, Kersh KD, Ferrero NR (2017): Outcome of horses undergoing navicular bursotomy for the treatment of contaminated or septic navicular bursitis: 19 cases (2002–2016). DOI: 10.1111/evj.12733.