Obstipation | Katzenmedizin 27.12.2017

Chronisch verstopft

Gerade Langhaarkatzen neigen zu immer wiederkehrenden Verstopfungen, die häufig progressiv verlaufen. Wir erläutern die Therapieoptionen.

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Foto: edithrum - Fotolia.com

Tierärztin Christin Hüske behandelt einen 16 Jahre alten Maine-Coone-Kater mit rezidivierender Verstopfung. Als Ursachen vermutet sie neben dem rassebedingt vermehrt aufgenommenen Fell eine Spondylose am Kreuz-Darmbeingelenk und Arthrose. Der Kater bekommt mit Psyllium (Indische Flohsamenschalen) versetztes Futter. Dennoch werden die Obstipationen inzwischen häufiger. Hüske fragte daher im fachforum kleintiere nach alternativen Therapiemöglichkeiten, zum Beispiel der Gabe von Distigmin als Prokinetikum.

Was die Besitzer tun können
Um eine verstopfte Katze dazu zu bringen, ausreichend Wasser aufzunehmen, kann es sinnvoll sein, mehrere Wassernäpfe oder einen Trinkbrunnen an unterschiedlichen Orten im Haushalt anzubieten. Im Haushalt sollten zudem mindestens zwei Toiletten pro Katze vorhanden sein, die – gerade für ein altes Tier mit Arthrose – leicht erreichbar sein müssen. Um die Verdauung in Gang zu bringen, ist zudem Bewegung nützlich. Die Besitzer können versuchen, die Katze durch vermehrtes Spielen dazu zu animieren.

Wann Rohfaser weiterhilft
Thomas Spillmann, Experte für Gastroenterologie, würde eine leichte Obstipation ebenfalls mit der Gabe von Rohfasern behandeln. Infrage kommen hier Psyllium oder eine kommerzielle rohfaserreiche Diät – wichtig ist nur, dass die Katze das Futter frisst. Die Rohfaser sorgt für eine größere Kotmenge, die den Darm dehnt und so reflexhafte Kontraktionen auslöst. Sind die Verstopfungen mittelgradig oder wiederkehrend und müssen sie mittels Einläufen behoben werden, sollte der Rohfasergehalt im Futter jedoch reduziert werden. Spillmann rät also, bei dem Maine-Coon-Kater das Psyllium abzusetzen und auf eine rohfaserarme Diät umzusteigen.

Den Darm in Bewegung bringen
Zusätzlich empfiehlt Spillmann die Gabe von Laktulose und einem Prokinetikum. Das Laxativum Laktulose wirkt hyperosmotisch, macht durch das vermehrt ausgeschiedene Wasser den Kot weicher und steigert die Darmmotilität. Als Prokinetikum geeignet ist eine halbe Tablette Prucaloprid morgens (Resolor 1 mg, Shire Deutschland GmbH). Das Medikament hat keine veterinärmedizinische Zulassung und muss daher für die Katze umgewidmet werden. Eine Alternative wäre Ranitidin (1–2 mg/kg, 2–3 x tgl.); den Wirkstoff gibt es aber ebenfalls nicht als veterinärmedizinisches Präparat. Von der Gabe von Anticholinesterasen wie Pyrido­stigmin oder Distigmin rät Spillmann hingegen ab. Pyridostigmin wird bei der Katze nur zur Therapie der Myasthenia gravis eingesetzt und kann als Nebenwirkung ein Bronchialasthma verstärken. Ultima Ratio bei einer weiteren Verschlechterung der Kotabsatzprobleme und der Entwicklung eines Megakolons wäre eine subtotale Kolektomie. Dabei wird das komplette Kolon bis auf ein kurzes distales Segment entfernt.  Viola Melchers