Journal Club 21.06.2019

Chronischer Eisenüberschuss kann zu Hämosiderose führen

Die Eisenspeicherkrankheit gibt es auch bei Equiden, wie eine an der Universität Utrecht untersuchte Fallserie zeigt. Bei Pferden mit Zugang zu natürlichen Wasserquellen kann ein zu hoher Eisengehalt die Ursache einer chronischen Lebererkrankung sein.

In den Niederländischen Poldern trinken Pferde nicht selten aus Gräben, welche die Weiden begrenzen. Zwei Pferde aus dieser Gegend wurden an der Universität Utrecht mit Hämosiderose und Lebererkrankung vorgestellt. Weil sie genetisch nicht verwandt waren, aber aus demselben Stall stammten, wurden die Veterinäre misstrauisch. Sie untersuchten weitere Tiere, und tatsächlich: Alle neun Pferde aus dem Stall waren betroffen, fünf von sieben weiteren untersuchten Pferden aus benachbarten Betrieben ebenfalls. Nach einem Aufruf in den Medien wurden noch sechs weitere Tiere diagnostiziert: Insgesamt 21 Pferde und ein Esel aus acht verschiedenen Ställen litten an Lebererkrankung und Hämosiderose.

Stark eisenhaltiges Tränkwasser
In die Studie eingeschlossen wurden Equiden, die Anzeichen einer chronischen Lebererkrankung zeigten, wie Ikterus, Gewichtsverlust, schütteres, glanzloses Fell oder erhöhte Leberwerte, und in deren Blut die Transferrin-Sättigung über 80 Prozent lag. Bei sieben Pferden wurde eine Leberbiopsie entnommen, sieben weitere wurden pathohistologisch untersucht: Es fanden sich histologische Zeichen einer Hämosiderose.

Umweltproben entlarvten das Grabenwasser als Problem. Für die meisten der erkrankten Pferde war es seit Jahren die hauptsächliche Tränkwasserquelle. Die Eisenkonzentration betrug zwischen 0,74 und 72,5 mg Fe/l, ab 0,3 mg Fe/l ist Wasser für Tiere ungeeignet. Überprüft wurden auch Gras und Boden, doch hier war der Eisengehalt nicht so hoch.

Neun von 22 Tieren mussten euthanasiert werden. Den anderen ging es zum Ende der Studie, Jahre nach der Diagnose, verhältnismäßig gut, doch waren weiterhin Anzeichen einer chronischen Erkrankung vorhanden.

Jahrelange Überversorgung
Säugetiere können Eisen nicht aktiv ausscheiden, bei der Aufnahme größerer Mengen besteht also theoretisch immer die Gefahr einer Toxikose. Beim Pferd waren bisher jedoch nur wenige Fälle einer akuten Eisenvergiftung nach Aufnahme eisenhaltiger Futtersupplemente in der Literatur zu finden. 2001 fütterten Pearson und Andreasen Pferde acht Wochen lang mit einem Eisenüberschuss, ohne dass in anschließend genommenen Leberbiopsien Läsionen zu finden waren. Fazit dieser Untersuchung war damals, dass eine Eisenvergiftung bei Pferden unwahrscheinlich sei. Dies widerlegt nun die aktuelle Studie aus Utrecht. Allerdings nahmen die niederländischen Pferde das Eisen über einen wesentlich längeren Zeitraum auf, alle waren mindestens die letzten neun Jahre lang unter den gleichen Bedingungen gehalten worden.

Hämosiderose – was tun?
Bei Pferden mit chronischer Lebererkrankung und Zugang zu natürlichen Wasserquellen sollte also eine Eisenspeicherkrankheit ausgeschlossen werden. Hinweise auf einen möglichen Überschuss an Eisen sind ein erhöhter Eisen-Serum-Gehalt sowie erhöhte Transferrinwerte, eine sichere Diagnose ist nur mithilfe einer Leberbiopsie möglich.

Therapiert wird symptomatisch, theoretisch ist auch der Einsatz von Chelatbildnern möglich, aber sehr teuer, ein Aderlass ist umstritten. Die wichtigste Maßnahme ist, die Eisenquelle zu identifizieren und dafür zu sorgen, dass das Metall nicht weiterhin im Übermaß aufgenommen wird. Ob Wasser zu viel Eisen enthält, kann man übrigens nicht immer sehen: Nur Fe3+-Ionen sorgen für die typische orangebraune Verfärbung. Fe2+-Ionen sind farblos.
(VM)

Originalpublikation:
Theelen MJP, Beukers M, Grinwis GCM, Sloet van Oldruitenborgh- Oosterbaan MM (2018): Chronis iron overload causing haemochromatosis and hepatopathy in 21 horses and one donkey. Equine Vet J 51(3): 304–309.
DOI 10.1111/evj.13029

Eisen im Körper

  • Resorption vor allem im Dünndarm
  • Im Blut Bindung an Transferrin
  • Primäre Funktion: Hämoglobin-Bestandteil
  • Speicherung von überschüssigem Eisen in Hepatozyten und retikuloendothelialen Makrophagen als Ferritin und Hämosiderin
  • Kein aktiver Ausscheidemechanismus