Pferdeklappe Coronapandemie 29.06.2020

"Zuerst versuchen sie es mit dem Hustensaft ihrer Kinder"

Corona-Pleite: Petra Teegen von der Pferdeklappe in Schleswig-Holstein erzählt wie es Pferdehaltern, aber auch Tierärzten und Amtsveterinären zu Zeiten von Corona ergangen ist.

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Foto: Andreas Sulz pixelio.de

- Die Pferdeklappe in Schleswig-Holstein möchte „helfen, wenn keiner mehr hilft." 26 Plätze stehen zur Verfügung. Die Abgabe der Tiere ist anonym möglich.
- Ziel ist stets die Weitervermittlung, nach Untersuchung und tiermedizinischer Versorgung. Inzwischen ist Voraussetzung, dass die Pferde einen Equidenpass haben und vermittelbar sind. Tiere über 20 Jahre können nicht mehr aufgenommen werden.
- Corona-bedingt kamen sehr viele Pferde in die Klappe, die meist tiermedizinisch versorgt werden müssen.
- Spenden sind willkommen.

„Ich mache das schon so lang, doch so viel wie in 2020 gearbeitet habe ich noch nie!“, erzählt Petra Teegen. Das Frühjahr und der Sommer sind für die Gründerin der Pferdeklappe in Schleswig-Holstein eigentlich eher ruhige Monate. Nicht so in diesem Jahr: Im März und April kamen 29 Pferde zu ihr, darunter sieben von Menschen, die an Corona erkrankt waren. Andere Pferde stammten von Haltern, deren Job dem Pandemie-bedingten Shutdown zum Opfer gefallen war. „Mich rufen Menschen an, die verzweifelt sind, weil sie nicht weiterkommen, oder solche, die sich gar nicht mehr trauen, noch woanders anzurufen“, erzählt Petra Teegen. Ihre Erfahrung: „Viele lassen den Kopf hängen. Und wenn ein Pferd hustet, versuchen sie es erst einmal mit dem Hustensaft der Kinder.“ An Grenzen stoßen hierbei nicht nur Pferdehalter, sondern auch Tierkliniken und Amtsveterinäre. Teegen, die sich auch für das Thema Tierschutz an Schulen engagiert, liegt es an Aufklärung: „Ich finde, Kinder sollten bereits etwas über den Wert und die richtige Behandlung von Tieren lernen. Den Pferdebesitzern sage ich immer, dass der Tierarzt auch nicht von Luft und Liebe leben kann. Wenn Ihr überall Schulden habt, wird er Eure Pferde nicht mehr behandeln.“

Unermüdliches Engagement
Für die tiermedizinische Versorgung, die sich die Menschen nicht leisten können, sammelt Petra Teegen unermüdlich Spenden. „Das sind zum Teil große Summen“, erzählt sie. Auch das war in den letzten Monaten nicht einfach: „Wir konnten zunächst keine Sachspenden mehr annehmen, mussten die Kontaktbeschränkungen einhalten und es fehlte an Einnahmen, die wir zum Beispiel durch unseren Flohmarkt erzielen“, erzählt die Norddeutsche. Trotzdem waren bereits im Mai alle Pferde versorgt und vermittelt. „Mein Sohn, unsere Angestellte und ich haben voll durchgearbeitet“, so Teegen. Außerdem steht eine große Pferdecommunity hinter dem Projekt, in der wiederum viele kreative Köpfe stecken. Diese nähen z. B. aus alten Pferdedecken Hundekörbchen oder Taschen, verkaufen diese und spenden einen Teil des Erlöses an die Pferdeklappe. Petra Teegens Ziel für 2020: ein Quarantänezentrum mit zehn weiteren Pferdeboxen, z. B. für infektiöse oder verwahrloste Tiere. Lisa-Marie Petersen 

Auch wenn immer mehr Lockerungen anstehen: Zum Schutze aller sollte im Stall auch weiterhin besonders auf die Hygiene geachtet werden. Informationen hierzu finden Sie zum Beispiel hier. Wer sich dafür interessiert, wie hygienisch es in deutschen Ställen zugeht, kann Informationen dazu in Heidrun Gehlens frei verfügbaren Artikel "Hygienemanagement in Pferdebetrieben – Ergebnisse einer Fragebogenstudie" finden.