Tiertransporte | Diskussion 26.07.2018

Tierleid auf Transportern

Sengende Hitze, überfüllte Grenzen und eine fehlende Kontrollmöglichkeit ausserhalb der EU: Damit Tiertransporte in Drittländer unter Tierschutzgesichtspunkten akzeptabel sind, muss sich einiges ändern.

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Die Bilder trafen ins Mark und waren nur schwer auszuhalten. Die ZDF-Reportage 37° über Lebendtiertransporte in Länder außerhalb der EU, die im letzten Herbst ausgestrahlt wurde, hat zutiefst erschüttert und noch einmal deutlich gemacht, dass hier vor allem vonseiten der Politik dringender Handlungsbedarf besteht.

Bei einer Zusammenkunft von Experten aus Wirtschaft, Veterinärämtern und Tierschutz auf Einladung vom Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Bundestags in Berlin Ende Juni wurden die Hauptprobleme zusammengetragen:

- Personalmangel: es stehen zu wenig kontrollierende Amtsveterinäre zur Verfügung. Vorhandenes Personal kontrolliert in erster Linie Tierseuchen, weniger das Tierwohl.

- Überfüllte Grenzen: Grenzen, die häufig angefahren werden sind überfüllt, eingerichtete Versorgungsstationen eignen sich nicht für alle Tiere, im Sommer führt die Hitze zu zusätzlichen Problemen, Grenzen, die für strenge Kontrollen bekannt sind, werden von den Transporteuren gemieden.

- Transportrouten: Routen müssen zwar abgesprochen werden, jedoch führen Sprachbarrieren oder die mangelnde Kenntnis über Aktualisierungen immer wieder zu Problemen.

- Kein Bußgeldkatalog: Für Verstöße gegen die Transport-VO gibt es keinen Bußgeldkatalog, Amtsveterinäre können derzeit nur auf das Tierschutzgesetz zurückgreifen.

- Gewaltbereitschaft: Kontrollierende Veterinäre werden von gewaltbereiten Transporteuren konfrontiert und sind diesen schutzlos ausgeliefert.

Welche Lösungsansätze gibt es?
Laut Meinung der Experten muss die bestehende Transport-Verordnung nachgebessert und ein Bußgeldkatalog für die EU-Verordnung 01/2005, eingeführt werden. So sind beispielsweise Transportzeiten zu begrenzen. Die Routen sollten über die nationale Kontaktstelle und die Kontaktstellen der Bundesländer verifiziert, gebündelt und schließlich im Einklang mit der lokalen Behörde freigegeben werden.

Nicht zuletzt stellten die Experten in Frage, ob es überhaupt nötig sei eine so große Anzahl an Zucht- sowie Masttieren zu transportieren. Lässt sich eine gute Genetik nicht auch mittels Embryotransfer oder künstlicher Besamung verkaufen? Hier muss nach alternativen Möglichkeiten gesucht werden.

Den vollständigen Artikel "Unsere Tiere - unsere Verantwortung" von Gerda Bäumer können Abonnenten von Der Praktische Tierarzt in der Augustausagabe des Heftes lesen. Bäumer hat das Fachgespräch in Berlin besucht.

Für Amtsveterinäre gibt es auf dem Niedersächsischen Tierärztetag eine spannende Session zu den Themen "Umgang mit kranken und verletzten Tieren im Nutztierbestand, Nicht-Hinzuziehen des Tierarztes" sowie "Tierschutz am Schlachthof: messen - bewerten - nutzen" . Referentin Elisabeth große Beilage erklärt wie die Zahl der Nutztiere mit tierschutzrelevanten Befunden durch Aufklärung und Kontrollen verringert werden kann und wie der aktuelle Stand zur Standardisierung von Tierwohlindikatoren im Rahmen der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung ist.