Tierseuche | Impfung 31.01.2019

Blauzungenvirus: Pflichtimpfung oder nicht?

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, sollten 80 Prozent der Hauswiederkäuer geschützt sein.

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  • Seit Dezember 2018 ist das Blauzungenvirus zurück in Deutschland. Bis zum 30. Januar wurden in Deutschland insgesamt 37 Fälle nachgewiesen.
  • Eine Impfung gegen BTV-8 und BTV-4 wird von der StiKo Vet empfohlen, ist aber noch nicht verpflichtend.
  • Nur eine flächendeckende Impfung kann laut Friedrich-Loeffler-Institut die weitere Ausbreitung verhindern.
  • Nutztierärzte aus Rheinland-Pfalz fordern eine Pflichtimpfung.

Das Virus wurde in Rinderhaltungsbetriebe in Baden-Württemberg (30), Rheinland-Pfalz (6) und dem Saarland (1) nachgewiesen. In allen Fällen handelt es sich um eine Infektion mit dem BTV-8-Virus. Klinische Symptome zeigen die infizierten Rinder nicht, das Virus wurde im Rahmen des Monitorings entdeckt. Rund um die betroffenen Betriebe wurden BTV-8-Sperrgebiete mit einem Radius von 150 km eingerichtet. Empfängliche Tiere wie Rinder, Schafe, Ziegen, aber auch Neuweltkameliden und Gatterwild dürfen in und aus diesen Gebieten nur unter Auflagen verbracht werden. Davon sind auch Teile Südhessens und Nordrhein-Westfalens betroffen.

Impfen gegen BTV-8 und BTV-4

Die bisherigen Fälle zeigen, dass das Virus sich sogar in der kalten Jahreszeit ausbreitet. Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, fliegen auch die Gnitzen wieder, die das Virus übertragen. Es ist zu befürchten, dass das Seuchengeschehen dann noch weiter fortschreitet. Das Friedrich-Löffler-Institut geht davon aus, dass eine Impfabdeckung von 80 Prozent nötig ist, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Ständige Impfkommission Veterinär (StiKo Vet) empfahl deshalb schon 2016, mittelfristig bivalente Impfstoffe flächendeckend und verpflichtend im gesamten Bundesgebiet einzusetzen. Jetzt hat die Impfkommission in einer aktuellen Stellungnahme auf die anhaltende Notwendigkeit hingewiesen, Rinder und kleine Wiederkäuer durch eine Impfung zu schützen.

Geimpft werden sollte nicht nur gegen BTV Serotyp 8, das sich momentan von Südwesten, von Frankreich kommend, ausbreitet. Ein zweites Seuchengeschehen basiert auf BTV Serotyp 4, der bis Österreich und Italien ausgebreitet hat. Die Ausbreitungsgebiete der beiden Serotypen 8 und 4 haben sich im Osten Frankreichs mittlerweile vereinigt. Daher wurde ganz Frankreich bereits zum Restriktionsgebiet für beide Serotypen erklärt.

  Rinderpraktiker fordern eine Pflichtimpfung

40 praktizierende Tierärzte aus Rheinland-Pfalz haben sich in einer Presseinformation der Landestierärztekammer öffentlich an Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken gewendet. Die Verfasser fordern eine verpflichtende, flächendeckende Impfung aller für das Virus empfänglichen Nutztierbestände. Sie beklagen, dass momentan sowohl die Verantwortung für die Bekämpfung als auch der wirtschaftliche Schaden allein bei den Landwirten liegen. Anders als in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westphalen wird die Impfung in Rheinland-Pfalz nicht durch die Tierseuchenkasse gestützt. Tierseuchenbekämpfung sei staatlicher Tierschutz und eine erfolgreiche Bekämpfung nur durch flächendeckende Impfung möglich. Zudem seien haftungsrechtliche Fragen beim Einsatz der praktizierenden Tierärzte in der Tierseuchenbekämpfung nicht eindeutig geklärt.

Ob freiwillige Impfung oder Pflicht: Der Impfstoff könnte knapp werden

In Baden-Württemberg forderte Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum, alle Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter freiwillig gegen BTV-8 und BTV-4 zu impfen. Nur so sei die nötige Impfabdeckung von 80 Prozent zu erreichen. Tierarztpraxen müssten laut Hauk ihren Impfstoffbedarf frühzeitig bei den Herstellern anmelden. Anders als beim letzten BTV-Ausbruch vor etwa zehn Jahren wird der Impfstoff nicht von den Veterinärämtern verteilt, sondern von den praktizierenden Tierärzten direkt bei den Herstellern bestellt. Sind die Impfstoff-Vorräte aufgebraucht, müsse laut Hauk mit Lieferzeiten von drei bis vier Monaten für neu produzierte Impfstoffe gerechnet werden. Tatsächlich kam es Anfang des Jahres bereits zu ersten Lieferengpässen.

 Dabei kommt die Seuche nicht überraschend: Insbesondere in Frankreich und der Schweiz gab es grenznah immer wieder Fälle von Blauzungenkrankheit. Deshalb wurde in Baden-Württemberg in den letzten Jahren bereits auf freiwilliger Basis geimpft – allerdings nur etwa ein Viertel der Population empfänglicher Hauswiederkäuer. Im letzten Jahr hatte die Impfbereitschaft abgenommen, zum einen, weil der Ernstfall ausblieb, zum anderen, weil Impfstoffe nicht ausreichend verfügbar waren. (VM)