Neoplasie | Pferd 30.04.2020

Das equine Melanom: Ein Steckbrief und zwei neue Therapieansätze

Häufig, groß und nicht selten maligne: Wir stellen den "Schimmeltumor" und zwei neue Behandlungsoptionen vor.

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Foto: Nono&Jessi - stock.adobe.com

Kennzeichen des equinen Melanoms:

  • sehr häufig bei älteren Schimmeln
  • Prädilektionsstellen: Anus, Vagina, Schweifrübe, Auge, Lippe
  • kann groß werden
  • Klinik: Je nach Lokalisation und Größe. Evtl. Kolik, Kotabsatzbeschwerden, Ataxie.
  • maligne Progression und Metastasierung in Lunge, Leber, Verdauungstrakt und ZNS häufig.

Problem: Keine zufriedenstellende Therapie. Cysplatin wird verwendet, stellt jedoch ein gesundheitliches Risiko für den behandelnden Tierarzt und Patientenbesitzer dar. Chirurgische Exzision nicht immer möglich.

Derzeit in der Forschung:

Betulinsäure - Das pentacyclische Triterpen Betulinsäure findet sich als sekundärer Pflanzenstoff in der Rinde von Birken und Platanen. Betulinsäure löst in Krebszellen auf unterschiedliche Weise den programmierten Zelltod aus. Die eingeschlagenen Wege sind dabei unabhängig von dem klassischen Apoptosefaktor p53 und dem Mechanismus um den Fas-Rezeptor CD95. Die relative Selektivität für die Apoptoseinduktion in Tumorzellen ist möglicherweise durch Topoisomerasen sowie die Induktion mitochondrialer Apoptosepathways begründet. Erste in vitro und in vivo Studien mit equinen Melanomzellen konnten zeigen, das BA und seine Derivate...

... zytotoxisch und antiproliferativ auf equine Melanomzellen wirken;
... die intratumorale Injektion von Pferden akzeptiert und vertragen wird;
... topisch appliziert zu einer transepidermalen und -dermalen Permeation der equinen Haut fähig ist und demnach bis zu Melanomen vordringen könnte, die in oberflächlichen und auch tieferen Hautschichten (bis 810 µm) liegen.

Weitere Studien auch auf molekularer Ebene sollen zeigen, wie spezifisch der Wirkstoff ist. Derzeit steht noch kein veterinärmedizinisches Präparat zur Verfügung.

Immuntherapie: Seit 2015 wird an der Pferdeklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover zudem der Einsatz einer Melanomvakzine untersucht, die in den USA bereits für den therapeutischen Einsatz bei Hunden mit Melanomen zugelassen ist. Der Impfstoff Oncept Melanoma® enthält xenogene Plasmid-DNA. Diese exprimiert ein Gen, das für die menschliche Tyrosinase kodiert. Das melanozytenspezifische Enzym Tyrosinase ist für die Synthese von Melanin essenziell und wird von Melanomzellen verstärkt produziert. Als Reaktion auf die Impfung, die bei Pferden 4-malig im Abstand von 14 Tagen mittels nadelfreier transdermaler Injektion in die Pektoralmuskulatur appliziert wird, produzieren die Muskelzellen menschliche Tyrosinase. Diese wird vom Immunsystem der Pferde als Tumor-Antigen erkannt.

Erste Studien zeigen, dass die Impfung der Krankheitsverlauf verlangsamen kann: Im Behandlungszeitraum blieb die Tumorgröße der behandelten Pferde gleich, während es in der Kontrollgruppe zu einem geringgradigen Anstieg der Tumorgröße kam. Die Klinik für Pferde der Tierärztlichen Hochschule Hannover bietet die Impfung an. Die Kosten belaufen sich derzeit auf 2.000 Euro pro Behandlungszyklus. Weitere Informationen gibt es hier.

Bei Interesse an einer Teilnahme an der Studie wenden Sie sich bitte an die Rezeption der Klinik für Pferde. Tel: +49 (0) 511 953 6500 oder schreiben Sie eine Mail mit dem Betreff „Interesse an Oncept.Melanomstudie“ an pferdeklinik@tiho-hannover.de.