Brüterei | Entschluss 18.06.2019

Das Küken-Urteil

Das Töten männlicher Küken bleibt gestattet – allerdings nur noch so lange, bis es praxisreife Alternativen gibt.

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So hat es das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, weil es im Kern um eine Abwägung wirtschaftlicher Zwänge gegenüber dem Tierschutz ging. Das Gericht erkennt an, dass Wertvorstellungen sich gewandelt haben. Es sei mit dem Grundgedanken des Tierschutz­gesetzes nicht vereinbar, einem Kükenleben jeden Eigenwert abzusprechen. Anders als Schlachttiere würden männliche Küken so früh wie möglich getötet, ihre „Nutzlosigkeit“ stünde von Anfang an fest. Das Gericht befindet daher: „Das wirtschaftliche Interesse an speziell auf hohe Legeleistung gezüchteten Hennen ist für sich genommen kein vernünftiger Grund im Sinne von § 1 Satz 2 des Tierschutzgesetzes [...]“

Übergangslösung für Brütereien
Dennoch wurde das Kükentöten nicht sofort verboten: Weil die bisherige Praxis jahrzehntelang hingenommen worden sei, könne man von den Brütereien nicht verlangen, ihre Betriebsweise sofort umzustellen. Die Brutbetriebe wären sonst gezwungen, zunächst mit hohem Aufwand eine Aufzucht der männlichen Küken zu ermöglichen, um dann voraussichtlich wenig später ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei einzurichten oder auf Zweinutzungslinien umzustellen. Eine solche doppelte Umstellung zu vermeiden sei ein vernünftiger Grund für die vorübergehende Fortsetzung der bisherigen Praxis. Geklagt hatte eine Brüterei aus Nordrhein-Westfalen, nachdem die dortige Landesregierung versucht hatte, die Praxis des Kükentötens per Erlass ab 2015 zu verbieten. Viola Melchers