TVT | Schwein 28.05.2018

Das Minimum ist nicht genug

In der Sauenhaltung muss sich etwas ändern! Das fordern Politiker, Tierschützer und auch Tierärzte immer dringlicher. Doch wie werden Besamungsstall und Abferkelbucht tiergerecht?

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Foto: Sergiy Gudak - stock.adobe.com

Die gesetzlichen Mindeststandards reichen nicht aus, damit Sauen entsprechend ihrer Bedürfnisse leben können. Etwas muss sich ändern – so viel ist mittlerweile fast allen klar. Die Agrarminister der Länder fordern vom Bundeslandwirtschaftsministerium eine Novelle der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, das Land Berlin hat sogar eine Normenkontrollklage eingereicht. Doch wie können herkömmliche Haltungsformen tiergerechter gestaltet werden? Diese Frage soll ein neues Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) beantworten.

Verstecke statt Einzelhaltung

Die TVT fordert eine Gruppenhaltung im Besamungsstall. Um Verletzungen zu vermeiden, sind dazu insbesondere während des Zusammenstallens neuer Gruppen und während der Rausche ausreichend große Ställe nötig, ein trittsicherer Boden, Ausweichmöglichkeiten und Verstecke für rangniedere Tiere. 4–5 m2 Platz pro Sau sind dazu nötig.

Schlafzimmer, Küche, Bad

Der Wartestall sollte klar strukturiert und aufgeteilt sein in einen Kotplatz, einen Liegeplatz mit Einstreu oder Gummimatten und einen Bereich zum Fressen und Wühlen. Satte, beschäftigte Tiere sind ruhiger, deshalb ist ein ausreichend großer Rohfaseranteil des Futters wichtig. Material wie Stroh mit Maiskörnern am Boden gibt den Sauen Gelegenheit zum Wühlen und Explorieren. Dies soll verhindern, dass das Erkundungsverhalten an Artgenossen ausgelebt wird.

Ferkelnest statt Kastenstand

Die TVT hält eine Haltung ohne Fixation auch im Abferkelstall für möglich, wenn die Voraussetzungen stimmen:

  • eine Woche vor der Geburt täglich mindestens 500 g Langstroh zum Beschäftigen und für den Nestbau
  • ein guter Immun-, Gesundheits- und Ernährungszustand der Sau vor der Geburt
  • Selektion auf mütterliche Tiere mit gutem Fundament
  • eine Gesamtfläche der Abferkelbucht von mind. 7–8 m2
  • rutschfester Boden und beheiztes Ferkelnest
  • qualifizierte Tierbetreuung

Jungsauen eingliedern ohne PMSG

Ein Quarantäne- bzw. Eingliederungsstall soll den Jungsauen ermöglichen, sich an das Erregerspektrum der Herde anzupassen. Wird die Transportrausche genutzt oder Altrenogest verwendet, ist eine Zyklussynchronisation möglich, ohne auf PMSG zurückzugreifen. Letzteres wird unter oft tierschutzwidrigen Bedingungen von tragenden Stuten gewonnen.

Keine dicke Luft im Stall

Thermoregulation zählt nicht zu den Stärken der Rüsselnasen. Deshalb muss jedes Einzeltier die Möglichkeit haben, einen angenehmen Temperaturbereich aufzusuchen. Die TVT zählt eine ganze Liste von Möglichkeiten auf, um die Temperatur im Tierbereich zu senken, sehr effektiv ist vor allem das Versprühen von Wasser. Neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind eine nicht zu hohe Schadgaskonzentration und ausreichendes Tageslicht entscheidende Faktoren für das Tierwohl.

Um regelmäßig zu überprüfen, wie es um das Wohlergehen der Sauen und Ferkel bestellt ist, gibt die TVT den Haltern abschließend konkrete Tierschutzindikatoren an die Hand. Viola Melchers