Kleintierpraxis 13.12.2018

Der Degu, ein Wüstenbewohner als „neues“ Heimtier – Teil 1: Grundlagen zur Ernährung und Fütterung

The degu, a desert inhabitant, as a ‘new’ pet – Part 1: Basics of the feeding and nutrition of degus

Zusammenfassung
Aus der Gruppe der kleinen Nager ist der Degu ( Octodon degu) ein zunehmend häufiger gehaltenes Heimtier. Die art- und bedarfsgerechte Ernährung ist u. a. eine Voraussetzung für die Vermeidung von Erkrankungen, sodass in der Beratung von Haltern Fragen zur Fütterung von besonderem Interesse für den Tierarzt sind. Das sehr stark entwickelte Dickdarmsystem befähigt zur Verdauung von Rohfaser(Rfa)-reicherem Futter. Neben dem Rfa-Gehalt spielt auch die physikalische Struktur eine ernährungsphysiologische Rolle. Die Zähne der Degus sind wurzellos und wachsen lebenslang. Heu als Grundfutter hat einen hohen Anteil strukturierter Rfa und somit große Bedeutung, nicht nur im Hinblick auf die Verdauungsprozesse, sondern auch für eine längere Kauaktivität, infolge derer eine Abnutzung der kontinuierlich wachsenden Zähne und eine Beschäftigung der Tiere mit der Futteraufnahme erreicht werden. Demnach wird den Degus auch Heu stets ad libitum angeboten. Eine ausschließliche Heufütterung bei moderaten Rfa-Gehalten (< 25 % in der Trockensubstanz, TS) ist beim Degu als möglich anzusehen. Heu als Alleinfutter, d. h. in alleiniger Gabe, stellt jedoch bei hohem Rfa-Gehalt (> 30 % in der TS) nicht ausreichend Energie und Nährstoffe für den Erhaltungsstoffwechsel zur Verfügung. Aus diesem Grund wird zusätzlich ein Mischfutter gereicht. Aufgrund der Vorlieben für kohlenhydrat- bzw. energiereiche Komponenten wird dieses jedoch nur als Ergänzung zum Grundfutter zugeteilt und nicht ad libitum angeboten. Symptome eines Diabetes mellitus wurden auch bei Angebot zuckerreicher Futtermittel (Möhren/Zuckerrüben) über einen Zeitraum von ca. zwei Monaten nicht beobachtet. Der Kalzium(Ca)- Haushalt der Degus ähnelt dem der Kaninchen und Meerschweinchen, unterscheidet sich also deutlich von dem der Chinchillas.

Schlüsselwörter
Futter- und Wasseraufnahme, Verdaulichkeit, Ca-Stoffwechsel, Glukosurie

Summary
The degu, a small rodent, is often kept as a pet. A species- appropriate diet meeting the energy and nutrient requirements is needed to prevent disease, which is why dietary recommendations are of special interest. The animal’s highly developed large intestine enables it to digest feedstuffs rich in crude fibre. In addition to the crude fibre content, the physical structure of the feed also plays an important role. The teeth of degus are rootless and grow throughout the animal’s life. Hay as basic feed has a high proportion of structured crude fibre and is therefore of great importance, not only with regard to the digestive processes, but also for a longer chewing activity so that there is an increased abrasion of the continuously growing teeth and the animals are occupied with their feed intake for a longer period. Accordingly, hay should always be offered ad libitum to degus. Exclusive hay feeding with a moderate crude fibre content (<25% DM) is considered possible. However, a diet consisting only of hay with a higher crude fibre content (>30% DM) does not provide sufficient energy and nutrients for maintenance. For this reason, concentrates should be provided but due to the degu’s preference for carbohydrate-rich or energy-rich components, they should not be given ad libitum: concentrates should only be provided as an addition to the basic feed. Symptoms of diabetes mellitus were not observed for a period of about two months, even when sugar-rich feeds (carrots/sugar beet) were fed. The calcium metabolism of degus is similar to that of rabbits and guinea pigs, but it differs significantly from that of chinchillas.

Keywords
food and water intake, digestibility, calcium metabolism, glucosuria

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