Kleintierpraxis 15.09.2019

Dermatozoenwahn – ein parasitologisches Phänomen?

Delusional parasitosis – a parasitological phenomenon?

Zusammenfassung
Bei allen unklaren Dermatitiden des Menschen, zum Beispiel bei Tierärzten, Tierbesitzern, Landwirten und anderen beruflich Exponierten, ist stets an die Möglichkeit eines Tierparasitenbefalls zu denken. Die Praxis hat gezeigt, dass immer wieder Menschen, in deren Haushalt oder Arbeitsumfeld Tiere leben, mit juckenden, erythematösen Hautveränderungen bei Dermatologen vorstellig werden, bei denen auch nach wiederholten Untersuchungen, zum Beispiel von Hautgeschabseln oder Proben aus dem Wohnumfeld, keine Ektoparasiten gefunden werden können. Diese können psychotisch erkrankt sein und an einem Dermatozoenwahn leiden, der vom Befall der Haut mit Parasiten unbedingt abgegrenzt werden sollte und der außerdem ganz anders zu therapieren ist. Man versteht darunter die wahnhafte Befürchtung des Erkrankten, Parasiten in der Haut zu haben. Dem Tierarzt kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige beratende und aufklärende Funktion zu. In den Jahren 2001 bis 2017 wurden 56 Patienten mit Dermatozoenwahn untersucht. Frauen waren zu 84 % und Männer zu 16 % betroffen. Anhand von Fallbeispielen werden Erfahrungen zum tierärztlichen Umgang mit an Dermatozoenwahn erkrankten Tierbesitzern, Landwirten und anderen mit Tieren in Kontakt stehenden Personen mitgeteilt sowie Empfehlungen für die Hilfestellung von Dermatozoenwahn-Patienten ausgesprochen.

Schlüsselwörter
Dermatozoenwahn, Psychose, Hautparasiten, Humaninfestationen

Summary
In cases of nonspecific human dermatitis, e.g. in veterinary practitioners, pet owners, farmers or occupationally exposed people, animal parasites should be considered a possible cause of erythematous and sometimes pruritic skin reactions. There are some human cases with unclear origin where no parasites can be found in skin scrapings or other samples from the integument. These human patients possibly suffer from delusional parasitosis. This psychotic disease is completely different to external parasite infestations and requires another type of treatment. Veterinary practitioners have an important advisory function in such cases. From 2001 to 2017, 56 patients with a delusional parasitosis were investigated. Women (84%) suffered more frequently from this syndrome than men (16%). Using the example of individual case studies of delusional parasitosis in pet owners, farmers and other people with close contact to animals, experiences about the veterinary handling of such cases are reported in addition to recommendations for how to deal with humans suffering from this condition.

Keywords
Delusional parasitosis, psychotic disorder, skin parasites, human parasite infestations

Downloadartikel

Kostenloser Download

Klicken Sie hier, wenn Sie den Artikel KTP_2019-09_0500.pdf (624 KB) als PDF herunterladen wollen.

Weitere Informationen zum Beitrag

© M. & H. Schaper GmbH