Der Praktische Tierarzt 01.01.2011

Diagnostik der Equine Grass Sickness

Eine sichere Diagnostik der Equine Grass Sickness (EGS) ist aufwendig und erfordert die operative Entnahme eines Jejunum- oder Ileumbioptates. Deshalb empfiehlt sich unter Praxisbedingungen zunächst ein Schnelltest mit Phenylephrin Augentropfen.

Bei der in Deutschland selten diagnostizierten Equine Grass Sickness (EGS) handelt es sich um eine Polyneuropathie unbekannter Ätiologie, deren Leitsymptomatik auf einer generalisierten gastrointestinalen Stase beruht und die von einer hohen Mortalitätsrate geprägt ist. Aufgrund der meist unspezifischen klinischen Symptomatik stellt die sichere Diagnose der Erkrankung für den Praktiker eine große Herausforderung dar. Die EGS äußert sich maßgeblich in Form von Koliken, die auf eine Motalitätsstörung des Gastrointestinaltrakts zurückzuführen sind. Lange Zeit wurde daher eine alleinige Beteiligung des autonomen Nervensystems vermutet. Dies führte zu der Bezeichnung Equines Dysautonomiesyndrom. Ähnliche Dysautonomiesyndrome sind auch bei anderen Spezies bekannt, zum Beispiel bei der Katze als sogenanntes Key-Gaskell-Syndrom sowie beim Hund und beim Kaninchen. Bei allen genannten Spezies dominieren als Leitsymptome die gastrointestinale Hypomotilität, eine Dysphagie und ein Horner Syndrom, das aus der klassischen Symptomtrias Miosis, Enophthalmus und Ptosis besteht. Mithilfe elektromyografischer Untersuchungen konnte kürzlich eine Beteiligung des somatischen Nervensystems aufgezeigt werden. Somit trifft der Begriff Dysautonomie nicht vollständig zu. Die Tatsache, dass hauptsächlich Weidetiere erkranken, führte zu der Bezeichnung Graskrankheit, engl. Grass Sickness. Zahlreiche wissenschaftliche Studien lassen vermuten, dass die EGS durch eine Intoxikation mit dem Neurotoxin C1 des Bakteriums Clostridium botulinum ausgelöst wird. Allerdings ist die Ätiologie der Erkrankung bis heute nicht sicher geklärt und wird in der Literatur widersprüchlich diskutiert.

Epidemiologische Studien haben ergeben, dass das weltweit höchste Erkrankungsrisiko in Großbritannien besteht. Auch in Deutschland und Belgien wird die Erkrankung regelmäßig nachgewiesen, jedoch ist die Anzahl der Krankheitsfälle gering.

Zusätzlich besteht eine saisonale Häufung im Frühjahr und im Herbst. Bei den betroffenen Tieren handelt es sich hauptsächlich um zwei- bis siebenjährige Weidetiere mit einem guten bis adipösen Ernährungszustand. Häufige Anthelminthikagaben, nitrogenhaltiges Weideland und eine inadäquate Fütterung sollen die Krankheitsinzidenz erhöhen.

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