Zoonose | Infektion 12.03.2019

Diphterie als Zoonose

Emerging Disease? Ein diphterieähnlicher Erreger wird überwiegend durch Tierkontakt übertragen.

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Foto: mirkograul - stock.adobe.com

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  • C. ulcerans ruft beim Menschen diphterieähnliche Symptome hervor.
  • Menschen infizieren sich über den Kontakt mit Tieren.
  • Das Bakteirum wurde bei zahlreichen Haus- und Wildtieren nachgewiesen, neuerdings auch beim Igel.

Bei Igeln in verschiedenen Bundesländern wurde Corynebacterium ulcerans nachgewiesen. Damit gesellt sich ein weiteres heimisches Wildtier und ein häufiger Patient in Tierarztpraxen zur großen Wirtsvielfalt dieses zoonotischen Erregers.

Eine neue Form der Diphterie
Die klassische Diphterie ist in Industrienationen sehr selten geworden. Treten Infektionen auf, handelt es sich meist um unliebsame Mitbringsel von Fernreisen. Doch in den letzen Jahren wird zunehmend nicht C. diphteriae, sondern C. ulcerans als Erreger diphterieähnlicher Erkrankungen beim Menschen nachgewiesen. Dieses Bakterium wird überwiegend hierzulande erworben – und zwar beim Kontakt zu Tieren. C. ulcerans kann wie C. diphteriae Diphterie-Toxin produzieren und sowohl lokale als auch systemische Symptome hervorrufen. Am häufigsten sind Hautinfektionen, betroffen sind vor allem mittelalte und alte Patienten.

Haus- und Wildtiere als Überträger
Während noch vor wenigen Jahrzehnten eine Übertragung ausschließlich durch Rinder vermutet wurde, konnten inzwischen sowohl asymptomatische als auch klinische Infektionen bei zahlreichen Tierarten nachgewiesen werden. „Sind Haustiere wie Hunde und Katzen betroffen, gibt es eindeutige Belege für einen Austausch dieser Bakterien zwischen Tieren und ihren Besitzern“, sagen Anja Berger und Andreas Sing vom Konsiliaslabor Diphtherie. Doch auch Zoo- und heimische Wildtiere wie Wildschweine, Füchse oder eben Igel sind betroffen. Interessanterweise scheinen bei Wildtieren im Gegensatz zum Menschen und zu Haustieren häufiger systemische Infektionen vorzuliegen.

Corynebacterium ulcerans beim Igel
C. ulcerans wurde aus Wunden und inneren Organen von vier erkrankten Igeln isoliert. Die Autoren nehmen den Nachweis bei einem Wildtier, das in so enger Nachbarschaft zum Menschen lebt, zum Anlass, einen respektvollen Umgang und Abstand zu Wildtieren anzumahnen.
Wer Wildtiere behandelt, sollte auf Hygienemaßnahmen achten und seine Diphterie-Impfung regelmäßig auffrischen. Wie gut der Impfstoff gegen durch C. ulcerans ausgelöste Erkrankungen schützt, ist nicht klar, eine Protektion durch kreuzreagierende Antikörper wird aber vermutet. (VM) 

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