Infektion | Katze 27.04.2018

Direkte Übertragung mutierter FIP-Viren

Anders als zumeist angenommen, scheint eine direkte Übertragung des mutierten FIP-Virus in einigen Fällen möglich zu sein. Infizierte Katzen könnten also ein Risiko für ihre Artgenossen darstellen.

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Foto: Viorel Sima - stock.adobe.com

Im letzten Jahr kam es in einer Katzenzucht zu auffällig vielen Fällen der felinen infektiösen Peritonitis (FIP). Zunächst wurde ein Jungtier mit FIP diagnostiziert. Fünf und sechs Monate später wurden zwei Kätzchen aus demselben Wurf mit rezidivierendem Fieber und Peritonealerguss eingeschläfert. Als ein weiteres, vier Monate altes Tier aus einem anderen Wurf schon zum zweiten Mal in zwei Wochen mit rezidivierendem Fieber vorgestellt wurde, fragte die behandelnde Tierärztin im fachforum kleintiere nach: „Wie erklären Sie sich diese Häufung an FIP-Fällen in einem Bestand?“ Das mutierte Coronavirus soll nach gängiger Lehrmeinung ja nicht übertragbar sein.

Erst die Infektion, dann die Mutation
Reinhard Straubinger, Experte für Infektionsmedizin, bestätigte, dass Katzen sich in der Regel nur mit den felinen Coronaviren (FCoV) infizieren. Erst im Anschluss kommt es aufgrund der schnellen Mutationsrate der RNA-Viren zu einer Ausprägung der pathogenen Varianten des Virus (FIPV). Bei jungen, immunsupprimierten Katzen ist die Vermehrungsrate der Viren größer und das Risiko für eine Mutation daher höher: Mehr als die Hälfte aller Katzen mit FIP ist jünger als ein Jahr, 70 Prozent unter vier Jahre alt. Ausschließen würde Straubinger eine direkte Übertragung des mutierten Virus jedoch nicht. Eine Studie aus Taiwan (Wang et al. 2013) zeigt, dass dieser Infektionsweg durchaus vorkommt.

Nichts ist unmöglich
Ying-Ting Wang und Kollegen berichten von einem FIP-Ausbruch in einem taiwanesischen Tierheim. Ihre Untersuchungen geben deutliche Hinweise auf eine horizontale Übertragung des FIP-Virus. Um der Epidemiologie des Ausbruchs auf die Spur zu kommen, analysierten sie felines Coronavirus von allen Katzen im Bestand. Obwohl unterschiedliche feline Coronaviren vertreten waren, wurde bei allen acht FIP-Katzen Typ II FCoV mit einem identischen Rekombinationsort auf einem bestimmten Gen gefunden. Bei zwei dieser Katzen fand sich zudem eine identische Nonsense-Mutation. Das Virus wurde von infizierten Tieren bis zu sechs Tage vor dem Tod mit dem Kot ausgeschieden: deutliche Hinweise auf eine horizontale Transmission in diesem Fall.

Den Nachwuchs schützen
Das oben erwähnte vierte Tier aus der aktuell von der Erkrankungsserie betroffenen Katzenzucht musste noch im Dezember ebenfalls euthanasiert werden. Straubinger riet zu wiederholten Kotuntersuchungen mittels PCR, um ggf. Virusausscheider zu isolieren und abzusondern. Die Haltungsräume sollten sorgfältig desinfiziert und für neue Würfe sollte das Frühabsetzen in Betracht gezogen werden. In den ersten Lebenswochen bieten maternale Antikörper anscheinend ausreichend Schutz vor einer Infektion. Wird die Mutter nach fünf Wochen entfernt und werden die Welpen weiterhin bis zur Abgabe isoliert, sollte das Risiko minimiert sein.  Viola Melchers

Originalpublikation: DOI 10.1186/1297-9716-44-57.